Monatsarchiv für Januar 2010

Unser Verteidigungsreflex

Und wieder einmal: Jemand bietet ausländischen Behörden Daten von mutmasslichen Steuerzinterziehern an. Hier gehen natürlich die Wellen hoch, Bundesräte sind entsetzt und Finanzpolitiker reden von “modernem Bankraub” (Quelle: CVP-Nationalrat Pirmin Bischof auf dem Newsnetz).

Money (via _Teb @flickr)

Money (via _Teb @flickr)

Auch ein Blick auf die Seiten von DRS und der deutschen Tagesschau zeigt, wie schnell wir über solche Nachrichten in Alarmstimmung versetzt wrden, während es in Deutschland als wichtig, aber nicht als Topthema angesehen wird.

Ich finde es schon erstaunlich, dass wir zwar rhetorisch das Bankgeheimnis, die Kunden und damit auch viele Steuerhinterzieher beschützen, allerdings rascher einknicken, als die Bäume bei Lothar. Auch ist die Wut gross, doch wieso überhaupt? Ist es plötzlich legitim, wenn wir als Staat, ja gar als Nation Steuerbetrüger schützen?

Wenn man sich die enormen Summen anschaut, die über diverse zwielichtige Konstrukte offshore bei uns gelagert werden, muss man schon misstrauisch werden. Lohnt es sich, eine Branche zu unterstützen, die offensichtlich widerrechtlich handelt und uns international isoliert?

Komisch ist auch die Art und Weise, mit welcher die erstaunlich rasche Abschaffung des Bankgeheimnis’ aufgefasst wurde. In vielen Medien äusserten sich Politikerinnen und Bürger, dass mit dem Bankgeheimnis eine Schweizer Institution verschwinde. Ach ja… Und die Radikalkürzung bei der Arbeitslosenkasse ist dann ok? Stimmt, sie betrifft ja nur die Jungen, die wehren sich sowieso nicht…

Bild von _Teb auf flickr

Die übelste Firma 2009

Public Eye Awards 2009

Public Eye Awards 2009

Es sind sechs üble Firmen, die alle hart für die Nominierung gearbeitet haben. Ja, wie jedes Jahr vor dem WEF in Davos suchen die Erklärung von Bern und Greenpeace für die Public Eye Awards die übelste Firma aus dem vergangenen Jahr. Verliehen wird der Preis morgen offenbar mit einiger Prominenz.

Ganz extrem sind natürlich die Beispiele der Roche, welche in dunkle Organhandel in China verwickelt ist und der PR-Agentur Farner, die bei der GSoA spioniert hat.

Jetzt gibt es also nur eines und nur noch heute Abend: Abstimmen!, es wäre ja super, noch über 20’000 Stimmen zu kommen.

Gewonnen haben übrigens Roche und die Royal Bank of Canada. An der Preisverleihung mit viel Prominenz wurden auch die Preise in der Kategorie Greenwash an das CEO Water Mandate. Schlussendlich geht der People’s Award (Resultat der Abstimmung) an Roche. – Gratulation?

Obamabashing

Heute ist Barack Obama bereits seit einem Jahr im Amt, Zeit für einen Rückblick. Hier in Europa, ohne Zweifel auch auf der anderen Seite des Teichs, wird er als Präsident “ohne Eigenschaften”, Ecken und Kanten bezeichnet. Gewisse Leute unterstellen ihm, das Land Richtung Sozialismus zu führen – wobei ich das Drama dabei gar nicht erkennen kann.

Barack Obama hat zwei jahrelange und teilweise katastrophal schlecht geführte Kriege übenommen, ein zwar sehr gutes, aber für 50 Millionen AmerikanerInnen nicht zugängliches Gesundheitssystem angepackt, die diplomatischen Beziehungen aufgefrischt und nicht zuletzt dafür den Friedens-Nobelpreis bekommen.

Wenn nun einige merken, dass auch er nur mit Wasser kocht, ist das schon erstaunlich. Es war sicherlich einfach, sich von Obamas grosen Reden und Versprechen etwas blenden zu lassen, aber tatsächlich versucht er auch, diese Dinge umzusetzen. Klar ist, dass keine Wunder zu erwarten sind, aber doch eine spürbare Veränderung und der Wille, die Verantwortung der USA wahrzunehmen. Ein Vorbild für so manche hier ist Barack Obama schon jetzt.

Führen wir uns doch einmal vor Augen, was Obama alles versucht, gar nicht getan und erreicht hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er keinen komplett unnötigen Krieg losgetreten, keine Bürgerrechte am Laufmeter verletzt, keine Folter angeordnet zugelassen, keine Staatsanwälte aus politischen Gründen gefeuert, keine Lügen zu Massenvernichtungswaffen und der inexistenten Verbindung Saddam Hussein/Al Quaida erzählt.

Ich vermute, dass vieles, was die Bush-Administration gemacht hat, gar nie auf dieser Seite des Teiches angekommen ist. Was wissen wir schon von Cheneys verlorenen E-Mails (über eine Million verschwand, obwohl sie archiviert werden müssten), den CIA-Foltergefängnissen in Osteuropa und der absolut missratenen Antwort auf die Katrina-Katastrophe. Obwohl das Erdbeben in Haiti nicht auf US-Boden stattfand, meine ich, viel mehr Plan und Überlegung in der Antwort der Obama-Administration zu sehen (die mutmasslichen Hintergedanken einmal ausgeblendet).

Klar, Barack Obama hat sicher nicht alles erreicht, was er will: Guantanamo ist immer noch in Betrieb, auch weil sich andere nach Kräften dagegen wehren, von dort Häftlinge aufzunehmen.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war auch nicht der erhoffte Erfolg, vor allem weil der US-Kongress nicht mitmacht.

Kartenmaterial fürs Velo

Den vollständigen Artikel gibt es auf Autolos.com

Velokarte von Bern auf OpenStreetMap.org

Velokarte von Bern auf OpenStreetMap.org

Es gibt ja enorm viel Navigations-Software fürs iPhone, komplett eigene Lösungen oder neuerdings sicher auch ähnliches für Android. Doch immer noch sind Karten ganz praktisch für die Orientierung. Beispielsweise kann man mit einem GPS-Gerät auch sehr gut seinen Weg finden, man braucht dafür aber je Kartendaten. Ich stelle hier zwei Angebote vor, die ich sehr interessant finde, weil sie einerseits die Routenplanung vereinfachen, andererseits freie Kartendaten anbieten.

  • Radfahrerkarte von OpenStreetMap, freies Kartenmaterial mit hoher Detaildichte
  • Bikemap, hier können alle ihre eigenen Routen eintragen und neue finden
  • Viamichelin, eigentlich bekannt als Routenplaner fürs Auto, hat seit einiger Zeit ein wirklich nützliches Feature.

Radfahrerkarte von OpenStreetMap zeigt neben allen Routen vom Veloland auch noch diverse Infos an, wenn man z.B. in Städte hereinzoomt. Es werden Veloläden, Velokuriere und für Bern auch die Standorte der City Cycles angezeigt. Sehr nützlich.

bikemap.net

bikemap.net

Auch können die Daten heruntergeladen werden und frei (also unter einer
Attribution-Share Alike 2.0
-Lizenz) verwendet werden. Bearbeiten und Ergänzen der Karten ist damit natürlich auch erlaubt. So werden aber nicht einfach Touren veröffentlicht, sondern die grundlegenden Kartendaten zusammengetragen. Besonders in den Städten sind viele nützliche Zusatzinfos dabei, wie Fusswege oder öffentliche Toiletten.

bikemap.net ist eine Plattform, wo jeder seine Velotouren hochladen und auch die bereits hochgeladenen für sich selber nutzen kann. Ganz praktisch, aber es sieht nach einem ziemlichen overkill an Touren aus. Besonders für die Schweiz. Aber sicher ein guter Ausgangspunkt, wenn man nach Touren fürs GPS, Google Earth oder zum Ausdrucken sucht.

Zürich HB -> Paradeplatz

Zürich HB -> Paradeplatz

Viamichelin hat eine Routenplanung für Fussgängerinnen und Velofahrer! Damit kann man einfach den schnellsten Weg suchen. Für Fussgänger ist das vor allem praktisch, wenn man in einer fremden Stadt unterwegs ist und schnell ans Ziel kommen sollte, aber keine Ahnung hat, wo das genau ist.

Ein kleines Beispiel auch hier: Wir wollen vom HB inZürich zum Paradeplatz. Dabei gibt man einfach die beiden Orte ein und lässt die Maschine suchen. So gibt Viamichelin 16′ und eine Strecke von 1.1 km als Resultat zurück.

Google Maps kann zwar seit einiger Zeit auch die Routenplanung mit dem öffentlichen Verkehr und zu Fuss, aber besonders bei der öV-Suche scheinen sich noch einige Fehler eingeschlichen zu haben. So schlägt Google Maps komischerweise vor, vom Bahnhof Lausanne zum Olympischen Museum zu laufen, während SBB.ch eine kürzere Fahrt vorschlägt.

Langsamverkehr und öV sind die Zukunft

Dieser Artikel entstand für AUTOLOS.com – Langsamverkehr und öV sind die Zukunft

Zwar werden weiterhin Westumfahrung eröffnet und Strassen gebaut, aber der Langsamverkehr und der öV sind im Aufwind – und zwar ganz gross.

Die Erfolge des GA, welches offenbar gegenüber dem Ausland eher billig sei, hängen davon ab, dass viele Leute lieber Pendeln statt Zügeln. Damit wird das GA zumindest teilweise Opfer des eigenen Erfolgs. Die SBB erhöhen die Preise, um die Kosten wieder zu decken.

Die öv-Initiative vom VCS will hier abhelfen und die Finanzierung des öV stärken. Das macht Sinn, denn die Schweiz ist ja eigentlich ein Land der S-Bahnen, wie beispielsweise die kürzlichen Ausbauten in den Regionen Basel und Zürich zeigen. Immer mehr Leute pendeln und kommen somit sicher, schnell und umweltschonend zur Arbeit.

Doch die Zunahme beim Verkehr ist auf der Schiene klar vorhanden, aber noch viel grösser beim motorisierten Verkehr. Trotz tollen Projekten wie bike to work ist der Langsamverkehr eher noch schwach.

Langsamverkehr ist gesünder

Während Kanton um Kanton ein Rauchverbot einführt (meiner Meinung sinnvoll), so scheinen die ähnlichen Massstäbe für die öffentliche Luft nicht zu gelten. Während die Belastungen durch Rauchen, Chemikalien (z.B. in Möbeln, Putzmitteln, Farben, Lacken, etc.) und Radon, um nur einige zu nennen, bekämpft werden, hat das die Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie offenbar eine bessere Legitimation.

Dazu haben ich zwei Theorien: Einerseits hat das Autofahren oder Verbrennen von Öl in Heizungen durchaus einen Nutzen. Im einen Fall kommt man von A nach B, im anderen wird einem warm. Deshalb nimmt man die nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Nachteil in Kauf. Auch betrifft der Nachteil nicht nur einem selbst, sondern wird ziemlich gut verteilt, weshalb auch der einzelne individuelle Verzicht nicht den grossen Unterschied macht.

Die zweite Hypothese bezieht sich auf die Verbreitung: Denn während nur noch ungefähr ein Fünftel der Bevölkerung rauchen, so fahren doch immerhin vier Millionen Autos in der Schweiz herum. Das macht 517 Autos pro tausend Einwohner, also hat jede zweite Einwohnerin/jeder zweite Einwohner ein Auto. – Quelle: Mobilität und Verkehr: Wichtigste Kennzahlen vom BFS

Auch enorm wichtig ist die Funktion der Bewegung. Wer mit dem Langsamverkehr sich zumindest sich in seiner Freizeit, aber auch auf dem Weg zur Arbeit bewegt, hat oft die täglich nötige halbe Stunde an Bewegung bereits gemacht.

Langsamverkehr und öV brauchen weniger Platz

Autoverkehr und speziell, wenn es schnell geht, braucht viel Platz. Wer sich das einmal vor Augen führt, merkt, wie viel Platz wir in unseren ohnehin schon ziemlich engen Städten für den motorisierten Individualverkehr brauchen.

Mit dem öV und dem Velo ist der Platzverbrauch schon ziemlich viel kleiner. Wieso? Autos sind oft nur mit einer Person besetzt und müssen wegen der eher hohen Geschwindigkeiten mehr Abstand halten. Dagegen ist das Velofahren und auch der öV extrem viel kompakter.

Not too fast (via 96dpi @flickr)

Not too fast (via 96dpi @flickr)

Langsamverkehr ist sicherer

Wir haben schon mehrmals berichtet, dass der Langsamverkehr und der öV weniger gefährlich ist, als der motorisierte Individualverkehr. Pro Jahr verunfallen nur gerade 75 Personen im Schienenverkehr. Getötet werden 24, verletzt 51 Menschen. Dies sind in der Mehrzahl Angestellte der SBB und auch leider viele Suizide. So starben 2008 keine Reisenden im Zusammenhang mit Eisenbahnen und nur gerade zehn wurden verletzt. – Quelle Eisenbahnunfälle und verunfallte Personen vom BFS

Beim Strassenverkehr sieht es leider dramatisch anders aus. Die zahlreichen neuen Technologien (ABS, EBS, etc.) haben sicher ihren Anteil an der stetigen Abnahme der verunfallten Personen, aber ein Grossteil dieser Erfolge wird wieder wettgemacht durch die Zunahme der Fahrzeuge.

Auch aus der Statistik des BFS zu den Strassenverkehrsunfällen geht hervor, dass wer zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs ist, eher schwer verletzt oder gar getötet wird. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der Velofahrer nur gerade mit einem Helm (im günstigen Fall) geschützt ist. Dagegen hat eine Autofahrerin eine perfekt ausgetüftelte Schutzhülle um sich, was besonders bei Unfällen mit tieferen Geschwindigkeiten einen grossen Vorteil darstellt – trotz der viel grösseren Energien.

Die Sicherheit ist auch deshalb grösser, weil man sich im öV gleich sicher ans Ziel bewegt, unabhängig vom Alkoholkonsum, erschöpfenden Arbeitstag, Gedanken und Wetterverhältnissen. Ich lasse mich gerne von Profis nach Hause fahren, nachdem im Ausgang gefeiert habe oder wenn ich schlicht und einfach müde bin. Da verzichte ich auch auf mein Velo, welches mich sonst nur selten alleine lässt. ;-)

Langsamverkehr und öV ist schneller und je nachdem billiger

Während das Velo in der Stadt dank seiner Flexibilität extrem schnell ist, kommt man mit dem öV über längere Strecken rasch voran. Natürlich funktioniert das mehrheitlich zwischen den grösseren Zentren, aber genau dort ist auch das grösste Verkehrsaufkommen auf der Strasse zu finden.

Ein kleines Beispiel: Von Zürich nach Bern ist man mit dem Auto in 1h 25′ und bezahlt dafür (ohne Versicherung, Wertverminderung, etc.) CHF 17.- fürs Benzin. Wer sich im Zug chauffieren lässt, hat mit der schnelleren Verbindung nur gerade 56′ und bezahlt CHF 46.- (2. Klasse, ganz, einfach). Natürlich wird es massig billiger, wenn man ein Abo hat oder die diversen anderen Kosten beim Auto miteinberechnet (Steuern, Vignette, evtl. Bussen, Wertverminderung, Service, uvm.).

Fazit

Es dürfte wohl noch einige Zeit brauchen, bis der Umstieg auf den Langsamverkehr und öV für die meisten Leute eine wirkliche Option wird. Nicht nur fehlt beispielsweise beim Velo noch etwas der Komfort (Velospuren, Schlaglöcher, etc.). Ein Velo-Paradies ist die Schweiz noch nicht.

Auch ist der Verlust an Privatsphäre ein wichtiger Punkt, warum viele trotz der vielen Nachteile lieber im Auto herumkurven. Was da genau hilft, weiss ich nicht, denn ich fahre gerne im Tram oder Zug herum…

Wir sollten uns aber bewusst sein, dass das ausgehende Öl, die zunehmenden Verkehrs-, Umwelt- und Klimaprobleme auch mit unserer Mobilität zu tun haben. Es ist deshalb an der Zeit, sich darum zu kümmern und die Verkehrsverlagerung auf Schiene, Füsse und Velos zu fördern.

Bild von 96dpi auf flickr