Zwei Uiguren aufgenommen!

YES haben manche gesagt, als gestern Abend die Nachricht kam, dass zum Usbeken, der in Genf aufgenommen wurde, sich nun zwei Uiguren im Kanton Jura gesellen.

Die Schweiz scheint wieder die havarierte humanitäre Tradition wiederbeleben zu wollen. Das lässt hoffen.

Warum der Jura die zwei Uiguren aufnehmen will, darüber wird noch gemutmasst. Die offizielle, und meiner Meinung nach auch ehrliche, Begründung ist, dass man sich aus humanitären Gründen dafür einsetzt. Die beiden Brüder wurden jahrelang in Guantanamo festgehalten, vermutlich auch gefoltert – alles ohne Prozess, Anklage, Rechtsmittel. Sie jetzt freizulassen und wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ist mehr als überfällig.

Mich freut auch, dass man nicht eingeknickt ist vor den chinesischen Drohungen und Warnungen, die beiden Uiguren seien gefährlich. Barack Obama hat am 22. Januar 2009, also bereits an seinem dritten Tag im Amt, angekündigt, Guantanamo zu schliessen.

Die Leute sind auch gar nicht alle gefährlich. Viele, ich meine sogar die meisten, wurden komplett unschuldig und zufällig gefangen genommen, dann brachte man sie nach Guantanamo auf Kuba. Für die Schweiz besteht kein Risiko, wenn wir diese Leute nun aufnehmen, was man auch immer erzählt.

Der Angriff der Symbolbilder

Tja, was wären wohl Zeitungen, TV und Newswebseiten ohne Symbolbilder. Normalerweise hat man ja genügend Material, sei es von professionellen Fotografen oder der so genannten Leserreporter.

Doch was, wenn es keine vernünftigen Bilder gibt, aber man einen Bericht in der Tagesschau bebildern muss? Dann nimmt man Symbolbilder. Ein besonders unterhaltsames Beispiel mit exzessivem Gebrauch von solchen eigentlich nichts sagenden Bildern brachte das 10 vor 10 am Montag.

In einem Bericht zum Datenklau und den Steuerbetrügern aus Deutschland, fand man offenbar nicht genügend gute Bilder, die aktuell und aussagekräftig sind. Logisch, denn das Thema ist sehr trocken und nur schwer visuell umzusetzen. Deshalb Symbolbilder. Man sieht unzählige CDs, wie sie in Computerlaufwerke geschoben werden, Zahlen rattern über den Bildschirm oder CDs baumeln über den neusten Zeitungen aus Deutschland. Herrlich!

Video auf dem SF Videoportal Illegaler Datenklau

Wer wissen will, wie ein generischer TV-Bericht aussieht:

Unser Verteidigungsreflex

Und wieder einmal: Jemand bietet ausländischen Behörden Daten von mutmasslichen Steuerzinterziehern an. Hier gehen natürlich die Wellen hoch, Bundesräte sind entsetzt und Finanzpolitiker reden von “modernem Bankraum” (Quelle: CVP-Nationalrat Pirmin Bischof auf dem Newsnetz).

Money (via _Teb @flickr)

Money (via _Teb @flickr)

Auch ein Blick auf die Seiten von DRS und der deutschen Tagesschau zeigt, wie schnell wir über solche Nachrichten in Alarmstimmung versetzt wrden, während es in Deutschland als wichtig, aber nicht als Topthema angesehen wird.

Ich finde es schon erstaunlich, dass wir zwar rhetorisch das Bankgeheimnis, die Kunden und damit auch viele Steuerhinterzieher beschützen, allerdings rascher einknicken, als die Bäume bei Lothar. Auch ist die Wut gross, doch wieso überhaupt? Ist es plötzlich legitim, wenn wir als Staat, ja gar als Nation Steuerbetrüger schützen?

Wenn man sich die enormen Summen anschaut, die über diverse zwielichtige Konstrukte offshore bei uns gelagert werden, muss man schon misstrauisch werden. Lohnt es sich, eine Branche zu unterstützen, die offensichtlich widerrechtlich handelt und uns international isoliert?

Komisch ist auch die Art und Weise, mit welcher die erstaunlich rasche Abschaffung des Bankgeheimnis’ aufgefasst wurde. In vielen Medien äusserten sich Politikerinnen und Bürger, dass mit dem Bankgeheimnis eine Schweizer Institution verschwinde. Ach ja… Und die Radikalkürzung bei der Arbeitslosenkasse ist dann ok? Stimmt, sie betrifft ja nur die Jungen, die wehren sich sowieso nicht…

Bild von _Teb auf flickr

Die übelste Firma 2009

Public Eye Awards 2009

Public Eye Awards 2009

Es sind sechs üble Firmen, die alle hart für die Nominierung gearbeitet haben. Ja, wie jedes Jahr vor dem WEF in Davos suchen die Erklärung von Bern und Greenpeace für die Public Eye Awards die übelste Firma aus dem vergangenen Jahr. Verliehen wird der Preis morgen offenbar mit einiger Prominenz.

Ganz extrem sind natürlich die Beispiele der Roche, welche in dunkle Organhandel in China verwickelt ist und der PR-Agentur Farner, die bei der GSoA spioniert hat.

Jetzt gibt es also nur eines und nur noch heute Abend: Abstimmen!, es wäre ja super, noch über 20′000 Stimmen zu kommen.

Gewonnen haben übrigens Roche und die Royal Bank of Canada. An der Preisverleihung mit viel Prominenz wurden auch die Preise in der Kategorie Greenwash an das CEO Water Mandate. Schlussendlich geht der People’s Award (Resultat der Abstimmung) an Roche. – Gratulation?

Obamabashing

Heute ist Barack Obama bereits seit einem Jahr im Amt, Zeit für einen Rückblick. Hier in Europa, ohne Zweifel auch auf der anderen Seite des Teichs, wird er als Präsident “ohne Eigenschaften”, Ecken und Kanten bezeichnet. Gewisse Leute unterstellen ihm, das Land Richtung Sozialismus zu führen – wobei ich das Drama dabei gar nicht erkennen kann.

Barack Obama hat zwei jahrelange und teilweise katastrophal schlecht geführte Kriege übenommen, ein zwar sehr gutes, aber für 50 Millionen AmerikanerInnen nicht zugängliches Gesundheitssystem angepackt, die diplomatischen Beziehungen aufgefrischt und nicht zuletzt dafür den Friedens-Nobelpreis bekommen.

Wenn nun einige merken, dass auch er nur mit Wasser kocht, ist das schon erstaunlich. Es war sicherlich einfach, sich von Obamas grosen Reden und Versprechen etwas blenden zu lassen, aber tatsächlich versucht er auch, diese Dinge umzusetzen. Klar ist, dass keine Wunder zu erwarten sind, aber doch eine spürbare Veränderung und der Wille, die Verantwortung der USA wahrzunehmen. Ein Vorbild für so manche hier ist Barack Obama schon jetzt.

Führen wir uns doch einmal vor Augen, was Obama alles versucht, gar nicht getan und erreicht hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er keinen komplett unnötigen Krieg losgetreten, keine Bürgerrechte am Laufmeter verletzt, keine Folter angeordnet zugelassen, keine Staatsanwälte aus politischen Gründen gefeuert, keine Lügen zu Massenvernichtungswaffen und der inexistenten Verbindung Saddam Hussein/Al Quaida erzählt.

Ich vermute, dass vieles, was die Bush-Administration gemacht hat, gar nie auf dieser Seite des Teiches angekommen ist. Was wissen wir schon von Cheneys verlorenen E-Mails (über eine Million verschwand, obwohl sie archiviert werden müssten), den CIA-Foltergefängnissen in Osteuropa und der absolut missratenen Antwort auf die Katrina-Katastrophe. Obwohl das Erdbeben in Haiti nicht auf US-Boden stattfand, meine ich, viel mehr Plan und Überlegung in der Antwort der Obama-Administration zu sehen (die mutmasslichen Hintergedanken einmal ausgeblendet).

Klar, Barack Obama hat sicher nicht alles erreicht, was er will: Guantanamo ist immer noch in Betrieb, auch weil sich andere nach Kräften dagegen wehren, von dort Häftlinge aufzunehmen.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war auch nicht der erhoffte Erfolg, vor allem weil der US-Kongress nicht mitmacht.