Archiv für die 'Netzbeobachtung' Kategorie

Grossdemo im Iran

Die Iranerinnen und Iraner geben nicht auf! Nachdem die Wahlen vom Mitte 2009 klar gefälscht wurden, gab es bereits grosse Demonstrationen, hartes Einschreiten des Regimes, viele Festgenommene, Gefolterte, etc.

Doch nun fordern die Leute, welche sich durch das Demonstrieren in grosse Gefahr begeben, ein weiteres Mal das Regime um Ahmadinedschad heraus. Offenbar sind auch bereits Schüsse auf Demonstranten gefallen!

Wer mehr zu den aktuellen Entwicklungen in Teheran und weiteren Städten im Iran wissen will, dem sei ein Besuch auf diesen Seiten empfohlen:

Der Angriff der Symbolbilder

Tja, was wären wohl Zeitungen, TV und Newswebseiten ohne Symbolbilder. Normalerweise hat man ja genügend Material, sei es von professionellen Fotografen oder der so genannten Leserreporter.

Doch was, wenn es keine vernünftigen Bilder gibt, aber man einen Bericht in der Tagesschau bebildern muss? Dann nimmt man Symbolbilder. Ein besonders unterhaltsames Beispiel mit exzessivem Gebrauch von solchen eigentlich nichts sagenden Bildern brachte das 10 vor 10 am Montag.

In einem Bericht zum Datenklau und den Steuerbetrügern aus Deutschland, fand man offenbar nicht genügend gute Bilder, die aktuell und aussagekräftig sind. Logisch, denn das Thema ist sehr trocken und nur schwer visuell umzusetzen. Deshalb Symbolbilder. Man sieht unzählige CDs, wie sie in Computerlaufwerke geschoben werden, Zahlen rattern über den Bildschirm oder CDs baumeln über den neusten Zeitungen aus Deutschland. Herrlich!

Video auf dem SF Videoportal Illegaler Datenklau

Wer wissen will, wie ein generischer TV-Bericht aussieht:

Die übelste Firma 2009

Public Eye Awards 2009

Public Eye Awards 2009

Es sind sechs üble Firmen, die alle hart für die Nominierung gearbeitet haben. Ja, wie jedes Jahr vor dem WEF in Davos suchen die Erklärung von Bern und Greenpeace für die Public Eye Awards die übelste Firma aus dem vergangenen Jahr. Verliehen wird der Preis morgen offenbar mit einiger Prominenz.

Ganz extrem sind natürlich die Beispiele der Roche, welche in dunkle Organhandel in China verwickelt ist und der PR-Agentur Farner, die bei der GSoA spioniert hat.

Jetzt gibt es also nur eines und nur noch heute Abend: Abstimmen!, es wäre ja super, noch über 20′000 Stimmen zu kommen.

Gewonnen haben übrigens Roche und die Royal Bank of Canada. An der Preisverleihung mit viel Prominenz wurden auch die Preise in der Kategorie Greenwash an das CEO Water Mandate. Schlussendlich geht der People’s Award (Resultat der Abstimmung) an Roche. – Gratulation?

Immer wieder Afrika

Es ist ja üblich, dass wir von Hunger, Krankheit und Konflikten in Afrika hören. Doch wieso scheinen sich derart viele Katastrophen auf den gleichen Kontinent zu konzentrieren?

Namibia - Ausblick vom Spreetshoogtepass (via verschattet @flickr)

Namibia - Ausblick vom Spreetshoogtepass (via verschattet @flickr)

Dass Klimaschutz tatsächlich eine Frage der Gerechtigkeit ist, wird bei einem Blick auf die Folgen der Klimakrise rasch einleuchtend. Durch veränderte Niederschlagsmuster, höhere Temperaturen und heftigere Unwetter werden in der Landwirtschaft grosse Schäden angerichtet. Während allerdings in den Industrieländern die Landwirtschaft mit wenig Menschen, viel Technik viele Leute ernähren kann, so ist sie in Afrika meistens immer noch Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet, dass Ernteausfälle nicht einfach durch Importe aus anderen Regionen ausgeglichen werden können.

Doch auch diverse Krankheiten wüten schon länger auf dem Afrikanischen Kontinent. Darunter befinden sich die bekannteren wie AIDS und Malaria, aber auch Hakenwürmer und diverse andere Parasiten töten jährlich Millionen von Menschen. Doch nicht zuletzt auf Grund fehlender Gewinnaussichten gibt es auf diesem Gebiet nicht so grosse Investitionen wie bei Krebsmedikamenten.

Karte Africa out of balance

Zum Schluss sind dann noch diverse Bürgerkriege, bewaffnete Konflikte und Diktaturen. So sind Gewaltausbrüche schon fast an der Tagesordnung. Dann ist es natürlich auch wenig verwunderlich, wenn angebliche Schweizer Trainingsflugzeuge gegen Flüchtlinge eingesetzt werden.

Wieso ist das so? Nun, während auf den anderen Kontinenten die meisten europäischen Kolonien schon im 19. Jahrhundert unabhängig wurden (Argentinien: 1816), so dauerte der Prozess der Emanzipierung von den imperialen Herrschern bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (Dem. Rep. Konto: 1960).

Was auch immer die Probleme sind, ihre Lösung ist überfällig. Was können wir tun? Beispielsweise endlich die Bildung auch auf einem hohen Niveau fördern, aber auch die Bildung der Leader forcieren, denn eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn alle daran partizipieren können.

Auch wenn die Situation und Zukunft für Afrika düster aussieht, so gibt es doch einige – leider wenige – Projekte und Initiativen, die Hoffnung machen. Mir scheint auf jeden Fall wichtig, dass wir die Förderung nicht von oben herab betreiben, sondern wie Neil Turok vor Ort. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern bringt auch viel mehr neue Ideen.

Bild von verschattet auf flickr

Der Climategate und die Rolle der Medien

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieso derart viele Menschen die Erwärmung der Erdatmosphäre abstreiten oder im besten Fall bezweifeln, dann muss man auch dringend die Medien und deren Berichterstattung analysieren. Nicht zuletzt aus deren immer noch zwanghafter Pro & Contra-Berichterstattung schliessen viele Leute, dass Debatte rund um den Klimawandel noch nicht ganz klar sei.

Verschiedenste Medien berichten ja auch sonst nicht immer gerade präzise, wie der BILDblog immer wieder aufs Neue zeigt. Dies ist auch teilweise eine Folge der Newsnetzisierung. Wenn es darum geht, möglichst gute Klickzahlen zu erreichen, ist versucht, sicher das eine oder andere Mal etwas reisserisch zu texten. Um mein Argument zu prüfen, reicht ein Blick auf die Liste der meistgelesenen Artikel und speziell deren Titel.

Natürlich, der Fehler liegt nicht derart krass bei den Medien, auch wenn man zumindest in den USA sagen kann, dass sie dem Thema zu wenig Beachtung schenken. Ein wichtiger Faktor für die Leugnung des Klimawandels ist auch, dass wir uns irgendwie im Stadium des Nichtwahrhabenwollen befinden. Offenbar löst die Aussicht auf all die negativen Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung eine Mischung aus Fatalismus (“Wir können ja gar nicht mehr dagegen tun.”) und Leugnung (“Das Klima wird nicht wärmer.” bzw. “Der Mensch ist nicht daran Schuld.”). Oft vermischen sich auch die beiden.

Artikel auf taz.de Climategate und die Achse des Blöden

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Die Meinungsmache und schlechte Arbeit ist aber keineswegs neu. Bereits 2002 hat sich einer der zwar wenigen aber penetrantesten Klimawandel-Leugner, Dirk Maxeiner, in der für ihre Objektivität und journalistischen Qualitäten bekannten Weltwoche einen Artikel geschrieben: Die geistige Warmluftfront. Schon damals war es aber möglich, diese absurden Schlussfolgerungen auseinanderzunehmen, was ProClim gemacht hat.

Wer aber die durch Hacking gestohlenen Mails (ja, das Briefgeheimnis zählt auch bei elektronischer Post) genau liest, findet rasch heraus, dass der Inhalt weit weniger brisant ist, als es mancher Klimawandel-Leugner gerne hätte. Man lästert über “schlechte Arbeiten”, die man am liebsten nicht im IPCC-Report hätte, dann aber doch dort veröffentlicht. Es werden die Klimawandel-Leugner als “Idioten” bezeichnet und andere private Dinge ausgetauscht, darunter auch den “Trick”, mit dem die riesigen Datenmengen richtig verarbeitet und ausgewertet werden. Alles ganz normale Dinge, die man halt im Vertrauen in das Briefgeheimnis und den Institutsinformatiker macht.

Zum Schluss aber nochmals die taz, welche den – ihrer Meinung nach richtigen – Umgang mit dem Verwirrspiel darlegt. Irgenwie erinnert das ganze sowieso an die ähnliche Kampagne der Tabakkonzerne, die Rauchen weiterhin als nicht schädlich verkauften, als bereits lange klar war, dass Rauchen stark verantwortlich für Lungenkrebs ist.

[…] der menschgemachte Klimawandel ist längst keine Meinung mehr, er ist wissenschaftlich nach derzeitigem Kenntnisstand gesicherte Tatsache, und mit den „Skeptikern“ in der Klimaforschung ist es so, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, wie mit den Kreationisten und der Evolutionstheorie. Es wäre daher gut, die Medien würden sie auch ebenso behandeln. So lange dies nicht so ist, können Scharlatane wie Miersch und Maxeiner gut davon leben und ihre kruden Theorien in Artikel-, Interview- und vor allem Buchform prima absetzen. Quelle: Climategate und die Achse des Blöden, auf taz.de

Bild von Billyboy auf flickr