Archiv für die 'Umwelt & Klima' Kategorie

No Impact Project

Kürzlich ist mir das No Impact Project ins Auge gesprungen. Entstanden ist es aus dem Versuch von Colin Beavan, ein Jahr ohne einen negativen Einfluss auf die Umwelt zu leben.

Die Ausgangsbedingungen tönen recht einfach: Ein Jahr lang keinen Abfall produzieren, nichts neues (ausser Lebensmittel) einkaufen, keinen Strom verbrauchen. In der Praxis ist das dann oft schwieriger. Sicher ein grosses Problem ist die Mobilität, denn wenn nur der Langsamverkehr bleibt, ist man (angeblich) nicht mehr so schnell unterwegs.

Ein kalter Winter

Genauso, wie “eine Schwalbe noch lange keinen Sommer macht“, so ist der momentane kalte Winter kein Beweis gegen den menschgemachten Klimawandel.

Auch wenn es ja nicht stimmt, geschrieben wird fleissig. So behauptete auch die Mail on Sunday, dass die Forschungsarbeiten von Mojib Latif aus dem aktuell kalten Winter Argumente gegen den menschgemachten Klimawandel ableiten liessen.

Eher ist das Gegenteil der Fall: Zwar ist der jetzige Winter schon einer der härteren seit längerem, aber beispielsweise das Eis der Arktis nimmt nicht zu, wie es sollte. Natülich ist auch das kein Beweis, aber wie mit all diesen Dingen ein Teil im Puzzle.

Aber überhaupt: Der jetztige Winter ist ein Einzelereignis, das gut auch eine Folge des Klimawandels sein könnte, wie Temperaturanomalien zeigen. Schliesslich war 2009 ein ziemlich warmes Jahr, obwohl der Winter extrem kalt war.

[…] Almost all the places where wealthy individuals with Internet connections live (chiefly the USA and Europe) just got cold at once. No wonder The Internet has trouble accepting that The World is getting warmer – everyone in their world says it’s freezing cold. […]

- Quelle MrMaude auf guardian.co.uk via @guardianeco

Interessante Beobachtung, denn tatsächlich liegen die Industrieländer im kühleren Bereich, während es in der Baffin Bay und nahe dem Nordpol über 8°C wärmer als normal ist. Diese Daten aus dem Dezember zeigen, wie sehr sich die Wahrnehmung duch Dinge wie ein kalter Winter beeinflussen lässt – oder eben durch die Medienberichterstattung.

Übrigens finde ich es erstaunlich, wie viel der Punkte aus meinen letzten Artikeln zum Thema bereits von Marcus Brigstocke in der Now Show angesprochen wurden.

Die Biodiversität und warum sie uns kümmern sollte

Den Begriff Biodiversität hören wir sehr oft, doch was bedeutet er eigentlich? Ganz einfach gesagt geht es um die Vielfalt. Doch was sich auf den ersten Blick simpel anhört, ist dann doch etwas komplizierter – wie so fast alles, leider. ;-)

Die Biodiversität gliedert sich in drei Teile. Sie sind alle unverzichtbar für ein funktionierendes Ökosystem. Ein solches ist wieder an jedem Ort der Welt nötig, damit wir Nahrung, Luft und Rohstoffe haben.

Aerial Atoll (via sleepychinchilla @flickr)

Aerial Atoll (via sleepychinchilla @flickr)

  1. Vielfalt der Arten, klassische Artenvielfalt, oft auch exklusiv unter Biodiversität verstanden
  2. genetische Vielfalt, besonders wichtig im Bezug auf Anpassungsfähigkeit der Art
  3. Vielfalt der Ökosysteme und Ökosystemprozesse, auch Prozesse, wie Überflutungen oder Waldbrände sind teil der Biodiversität

Ohne, dass wir es merken, leistet die Natur täglich Dienstleistungen, produziert Güter und Rohstoffe, die wir alleine gar nicht oder nur mit gigantischen Kosten hätten. So leisten Bienen knapp einen Zehntel des Werts der Weltnahrungsproduktion mit der Bestäubung von Blütenpflanzen auf dem ganzen Globus. Daneben putzen diverse Pflanzen und Tiere unsere Gewässer, sorgen für Sauerstoff und entsorgen unseren Abfall.

Neben diesen Dienstleistungen gibt es auch noch die Schutzfunktion: So schützen uns diverse Tiere wiederum vor anderen Schädlingen oder Schutzwälder vor Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen.

Nicht zu vergessen ist auch der ethische Aspekt: Dürfen wir entscheiden, welche Spezies leben dürfen und welche nicht? Können wir es uns also leisten, dass Arten verschwinden, massenhaft Individuen Wilderei, Brandrodungen oder dem Klimawandel zum Opfer fallen? Es ist zwar immer schwierig, den genauen Unterschied zwischen Nutzen und Ausbeuten festzulegen, doch ich denke, dass wir mit dem Massstab der Nachhaltigkeit ein gutes Kriterium haben.

Biodiversity Hall at AMNH (via Dom Dada @flickr)

Biodiversity Hall at AMNH (via Dom Dada @flickr)

Zwar auch wichtig, aber nicht überall anwendbar ist die Erholungs-, Genuss- und Freizeitfunktion, welche viele Grünflächen in der Schweiz haben. Kaum ein Wald ohne Spaziergänger oder Bikerinnen. Auch wenn nun über die Hälfte der Menschen in Städten wohnt, so ist die Möglichkeit, ins Grüne zu gehen für viele Leute ganz wichtig, besonders in den Industrieländern. Wer fährt nicht gerne in den Alpen Ski, spaziert an einem Fluss entlang, macht Ferien am Meer oder wandert im hohen Norden.

Weltweit steht die Biodiversität hauptsächlich an zwei Orten unter extremem Druck: Einerseits in den tropisch freuchten Wäldern und andererseits in den Ozeanen, Meeren und Binnengewässern.

In den tropisch feuchten Wäldern (oder auch Regenwäldern) ist der Druck vor allem durch die Rodungen im Amazonasbecken, in Zentralafrika und in Südostasien gigantisch. Würde die Schweiz gleich schnell kleiner werden, wie alleine in Brasilien der tropische Regenwald abgeholzt wird, so wäre nach dreieinhalb Jahren nichts mehr übrig! Das Tempo ist atemberaubend und im Moment deutet leider wenig auf baldige Besserung hin. Problematisch ist auch, dass die Aufforstung ganz schwierig ist, weil die komplexen Ökosysteme sich oft nur ungenügend wiederherstellen lassen und die Böden degradiert sind.

Die Gewässer andererseits stehen etwas schwerer nachvollziebaren Einflüssen gegenüber. In Landwirtschaftsgebieten ist der Nährstoffeintrag aus Dünger und Gülle das Problem. In den Ozeanen ist vor allem der Plastikmüll ein enormes Problem für die Vögel, welche diesen Abfall fressen und daran sterben. Der Klimawandel wiederum bedroht die Korallenriffe, ein Hotspot der Evolution.

Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir den ungeheuren Vorrat an noch unbekannten Wirkstoffen für Krankheiten, die Formenvielfalt, die zahlreichen Dienste, etc. erhalten. Wir müssen vom Wegwerfen zum Wiederverwenden kommen – eine ganz schwierige Wandlung. Denn nicht nur ist das Wegwerfen viel komfortabler und schneller erledigt, es ist auch eine in den letzten Jahrzehnten gut trainierte Gewohnheit von uns geworden. Tatsächlich können wir noch viel mehr recyclen, als wir es jetzt schon tun, auch wenn die Schweiz ganz gut dasteht.

Wir müssen aber auch unsere Umwelt mehr wieder vor uns selbst schützen, indem wir unseren Freizeitaktivitäten sinnvolle Grenzen setzen.

Bild von sleepychinchilla und Dom Dada auf flickr

2009 war siebtwärmstes Jahr

Was war 2009 denn nicht alles. Finanzkrise, Obama, Kopenhagen, Wahlen im Iran, Lybienkrise und noch so vieles mehr.

Doch 2009 war auch ziemlich war. Um genau zu sein, war es das siebtwärmste Jahr seit dem Messbeginn vor knapp 150 Jahren.

Aletsch (via reifue @flickr)

Aletsch (via reifue @flickr)

Das liegt durchaus im Trend, denn seit ungefähr dreissig Jahren gehen die Temperaturen rapide nach oben. Auch befinden sich sechs der sieben heissesten Jahre in den letzten zehn Jahren!

Wenn sich die Schweiz im letzten Jahrzehnt um ein halbes Grad erwärmt, dann können wir auch sehen, wohin das führt und was bereits die Folgen sind.

Auch wenig erstaunlich ist, dass in den Bergen die Temperatur stärker ansteigt. So zeigen die Gegend um Chur und das Rhônetal weitaus grössere Erwärmungen, als das Flachland. Dort ist die Gefahr besonders beim Auftauen des Permafrostes, der sozusagen unsere Alpen zusammenhält.

Bild von reifue auf flickr

Der Climategate und die Rolle der Medien

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieso derart viele Menschen die Erwärmung der Erdatmosphäre abstreiten oder im besten Fall bezweifeln, dann muss man auch dringend die Medien und deren Berichterstattung analysieren. Nicht zuletzt aus deren immer noch zwanghafter Pro & Contra-Berichterstattung schliessen viele Leute, dass Debatte rund um den Klimawandel noch nicht ganz klar sei.

Verschiedenste Medien berichten ja auch sonst nicht immer gerade präzise, wie der BILDblog immer wieder aufs Neue zeigt. Dies ist auch teilweise eine Folge der Newsnetzisierung. Wenn es darum geht, möglichst gute Klickzahlen zu erreichen, ist versucht, sicher das eine oder andere Mal etwas reisserisch zu texten. Um mein Argument zu prüfen, reicht ein Blick auf die Liste der meistgelesenen Artikel und speziell deren Titel.

Natürlich, der Fehler liegt nicht derart krass bei den Medien, auch wenn man zumindest in den USA sagen kann, dass sie dem Thema zu wenig Beachtung schenken. Ein wichtiger Faktor für die Leugnung des Klimawandels ist auch, dass wir uns irgendwie im Stadium des Nichtwahrhabenwollen befinden. Offenbar löst die Aussicht auf all die negativen Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung eine Mischung aus Fatalismus (“Wir können ja gar nicht mehr dagegen tun.”) und Leugnung (“Das Klima wird nicht wärmer.” bzw. “Der Mensch ist nicht daran Schuld.”). Oft vermischen sich auch die beiden.

Artikel auf taz.de Climategate und die Achse des Blöden

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Die Meinungsmache und schlechte Arbeit ist aber keineswegs neu. Bereits 2002 hat sich einer der zwar wenigen aber penetrantesten Klimawandel-Leugner, Dirk Maxeiner, in der für ihre Objektivität und journalistischen Qualitäten bekannten Weltwoche einen Artikel geschrieben: Die geistige Warmluftfront. Schon damals war es aber möglich, diese absurden Schlussfolgerungen auseinanderzunehmen, was ProClim gemacht hat.

Wer aber die durch Hacking gestohlenen Mails (ja, das Briefgeheimnis zählt auch bei elektronischer Post) genau liest, findet rasch heraus, dass der Inhalt weit weniger brisant ist, als es mancher Klimawandel-Leugner gerne hätte. Man lästert über “schlechte Arbeiten”, die man am liebsten nicht im IPCC-Report hätte, dann aber doch dort veröffentlicht. Es werden die Klimawandel-Leugner als “Idioten” bezeichnet und andere private Dinge ausgetauscht, darunter auch den “Trick”, mit dem die riesigen Datenmengen richtig verarbeitet und ausgewertet werden. Alles ganz normale Dinge, die man halt im Vertrauen in das Briefgeheimnis und den Institutsinformatiker macht.

Zum Schluss aber nochmals die taz, welche den – ihrer Meinung nach richtigen – Umgang mit dem Verwirrspiel darlegt. Irgenwie erinnert das ganze sowieso an die ähnliche Kampagne der Tabakkonzerne, die Rauchen weiterhin als nicht schädlich verkauften, als bereits lange klar war, dass Rauchen stark verantwortlich für Lungenkrebs ist.

[…] der menschgemachte Klimawandel ist längst keine Meinung mehr, er ist wissenschaftlich nach derzeitigem Kenntnisstand gesicherte Tatsache, und mit den „Skeptikern“ in der Klimaforschung ist es so, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, wie mit den Kreationisten und der Evolutionstheorie. Es wäre daher gut, die Medien würden sie auch ebenso behandeln. So lange dies nicht so ist, können Scharlatane wie Miersch und Maxeiner gut davon leben und ihre kruden Theorien in Artikel-, Interview- und vor allem Buchform prima absetzen. Quelle: Climategate und die Achse des Blöden, auf taz.de

Bild von Billyboy auf flickr