Archiv für das 'barack obama'-tag

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An den Haaren und am Volk vorbei gezogen

Offenbar erleben wir etwas völlig neue – oder es ist mir einfach noch nicht aufgefallen. Themen, die zwar überhaupt nicht aktuell sind, sondern aktuell gemacht werden, lösen grosse politische Diskussionen aus.

Zunächst deshalb das Beispiel aus den USA: Wegen der dringend nötigen Gesundheitsreform in den USA, über fünfzig Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung, wird Barack Obama als Hitler, Kommunist und Muslim beschimpft – auf übelste Art und Weise. Doch nicht die offensichtliche Unvereinbarkeit der drei Typen ist, was mich erstaunt. Eher interessant ist die Form der “Diskussion”: Statt Fakten geht es um Beleidigungen, statt Argumenten um überkochende Emotionen.

Es geht dabei aber nie um eine ernsthafte oder gar ehrliche Diskussion. Nie. Scheinbar ist das Thema, so es denn so genannt werden kann, dermassen wichtig, dass sich viele gerne auch in die Gesellschaft dunkler Gestalten geben. Viele dieser Leute verletzen dabei aber viele der Prinzipien, die sie selber angeblich extrem hoch halten.

Etwas durchaus ähnliches, wenn auch ohne die hässlichen Nazi-Vergleiche, sehen wir derzeit in der Schweiz. Da ja alle überhaupt brauchbaren Argumente aufgebraucht oder gar nicht vorhanden sind, muss weiter ausgeholt werden. Doch mit dem ausladenden Schwingen der Keule geht auch viel Geschirr im Porzellanladen kaputt. Nicht nur verbreitert und vertieft es die Gräben, zwischen den politischen Lagern, sondern es schafft neue.

Doch wieso? Genau wie in den USA, und das ist auch die wichtigste Parallele, werden Massen von Menschen verängstigt, verunsichert und mit den Waffen für einen unnötigen Kampf ausgerüstet. Ohne die Angst, welche geschürt wird, wäre es gar nie zu einer so grossen Diskussion gekommen.

Interesse an diesen Diskussionen haben natürlich viele Leute. Wer bisher gut gefahren ist mit einer xenophoben Politik, einer diskriminierenden Einstellung und mit möglichst egoistischem Handeln, will die gewonnenen Vorteile sicher nicht aufgeben. Als Beispiel dafür sind die dauernden Steuersenkungen, welche aber meistens nur die Reichen begünstigen.

Dank der Wirtschaftskrise haben wir ja alle herausgefunden, das der Neoliberalismus nicht funktioniert und die Marktwirtschaft nur mit guter Überwachung ihren Dienst tut. Jetzt müssen also die, welche in der Vergangenheit dahinter gestanden haben, sich ein neues Thema suchen und haben es, teilweise zumindest, mit der Minarett-Initiative gefunden.

Weisse Dächer für ein kühles Klima

Als Barack Obama Anfang dieses Jahres das Amt des US-Präsidenten antrat, war Steven Chu wohl eine der grösseren Überraschungen. Chu ist Energieminister und damit neben den nuklearen Einrichtungen und dem Kernwaffenprogramm vor allem für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien zuständig.

Artikel der Süddeutschen Nobelpreisträger soll US-Energieminister werden

Steven Chu (via Center for American Progress Action Fund @flickr)

Steven Chu (via Center for American Progress Action Fund @flickr)

Während das Geoengineering einen eher zweifelhaften Ruf hat, besonders weil Probleme nicht gelöst, sondern vertagt werden, gibt es doch auch einige wenige Massnahmen, die sinnvoll aussehen. So das von Chu (auch im The Daily Show-Clip) propagierte Streichen der Dächer. Chu, Nobelpreisträger im Jahre 1997, schlägt vor, in den hundert grössten Städten sämtliche Dächer weiss zu streichen. Dazu kommen nochmals die Flächen der Strassen und Trottoirs, die ebenfalls aufgehellt werden sollen.

Artikel auf utopia.de “Streichen Sie die Städte weiß”

Das Weiss-Streichen würde einen enormen Effekt haben: So sollen gemäss Berechnungen das Äquivalent von 44 Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden. Nebeneffekte sind nicht zu befürchten. Das Problem löst die Streichaktion aber nicht, denn die fossilen Brennstoffe gehen bald aus. Ausserdem hat das Verbrennen von Öl auch noch mehr schädliche Einflüsse, beispielsweise auf die Luft. Würden wir also schnell weniger verbrauchen und die Dächer weiss anmalen, so wäre es sicher ein viel grösserer Schritt.

The Daily Show-Video Steven Chu on The Daily Show

Bild von Center for American Progress Action Fund auf flickr

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