Archiv für das 'erde'-tag

Ein kalter Winter

Genauso, wie “eine Schwalbe noch lange keinen Sommer macht“, so ist der momentane kalte Winter kein Beweis gegen den menschgemachten Klimawandel.

Auch wenn es ja nicht stimmt, geschrieben wird fleissig. So behauptete auch die Mail on Sunday, dass die Forschungsarbeiten von Mojib Latif aus dem aktuell kalten Winter Argumente gegen den menschgemachten Klimawandel ableiten liessen.

Eher ist das Gegenteil der Fall: Zwar ist der jetzige Winter schon einer der härteren seit längerem, aber beispielsweise das Eis der Arktis nimmt nicht zu, wie es sollte. Natülich ist auch das kein Beweis, aber wie mit all diesen Dingen ein Teil im Puzzle.

Aber überhaupt: Der jetztige Winter ist ein Einzelereignis, das gut auch eine Folge des Klimawandels sein könnte, wie Temperaturanomalien zeigen. Schliesslich war 2009 ein ziemlich warmes Jahr, obwohl der Winter extrem kalt war.

[…] Almost all the places where wealthy individuals with Internet connections live (chiefly the USA and Europe) just got cold at once. No wonder The Internet has trouble accepting that The World is getting warmer – everyone in their world says it’s freezing cold. […]

- Quelle MrMaude auf guardian.co.uk via @guardianeco

Interessante Beobachtung, denn tatsächlich liegen die Industrieländer im kühleren Bereich, während es in der Baffin Bay und nahe dem Nordpol über 8°C wärmer als normal ist. Diese Daten aus dem Dezember zeigen, wie sehr sich die Wahrnehmung duch Dinge wie ein kalter Winter beeinflussen lässt – oder eben durch die Medienberichterstattung.

Übrigens finde ich es erstaunlich, wie viel der Punkte aus meinen letzten Artikeln zum Thema bereits von Marcus Brigstocke in der Now Show angesprochen wurden.

Immer wieder Afrika

Es ist ja üblich, dass wir von Hunger, Krankheit und Konflikten in Afrika hören. Doch wieso scheinen sich derart viele Katastrophen auf den gleichen Kontinent zu konzentrieren?

Namibia - Ausblick vom Spreetshoogtepass (via verschattet @flickr)

Namibia - Ausblick vom Spreetshoogtepass (via verschattet @flickr)

Dass Klimaschutz tatsächlich eine Frage der Gerechtigkeit ist, wird bei einem Blick auf die Folgen der Klimakrise rasch einleuchtend. Durch veränderte Niederschlagsmuster, höhere Temperaturen und heftigere Unwetter werden in der Landwirtschaft grosse Schäden angerichtet. Während allerdings in den Industrieländern die Landwirtschaft mit wenig Menschen, viel Technik viele Leute ernähren kann, so ist sie in Afrika meistens immer noch Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet, dass Ernteausfälle nicht einfach durch Importe aus anderen Regionen ausgeglichen werden können.

Doch auch diverse Krankheiten wüten schon länger auf dem Afrikanischen Kontinent. Darunter befinden sich die bekannteren wie AIDS und Malaria, aber auch Hakenwürmer und diverse andere Parasiten töten jährlich Millionen von Menschen. Doch nicht zuletzt auf Grund fehlender Gewinnaussichten gibt es auf diesem Gebiet nicht so grosse Investitionen wie bei Krebsmedikamenten.

Karte Africa out of balance

Zum Schluss sind dann noch diverse Bürgerkriege, bewaffnete Konflikte und Diktaturen. So sind Gewaltausbrüche schon fast an der Tagesordnung. Dann ist es natürlich auch wenig verwunderlich, wenn angebliche Schweizer Trainingsflugzeuge gegen Flüchtlinge eingesetzt werden.

Wieso ist das so? Nun, während auf den anderen Kontinenten die meisten europäischen Kolonien schon im 19. Jahrhundert unabhängig wurden (Argentinien: 1816), so dauerte der Prozess der Emanzipierung von den imperialen Herrschern bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (Dem. Rep. Konto: 1960).

Was auch immer die Probleme sind, ihre Lösung ist überfällig. Was können wir tun? Beispielsweise endlich die Bildung auch auf einem hohen Niveau fördern, aber auch die Bildung der Leader forcieren, denn eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn alle daran partizipieren können.

Auch wenn die Situation und Zukunft für Afrika düster aussieht, so gibt es doch einige – leider wenige – Projekte und Initiativen, die Hoffnung machen. Mir scheint auf jeden Fall wichtig, dass wir die Förderung nicht von oben herab betreiben, sondern wie Neil Turok vor Ort. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern bringt auch viel mehr neue Ideen.

Bild von verschattet auf flickr

2009 war siebtwärmstes Jahr

Was war 2009 denn nicht alles. Finanzkrise, Obama, Kopenhagen, Wahlen im Iran, Lybienkrise und noch so vieles mehr.

Doch 2009 war auch ziemlich war. Um genau zu sein, war es das siebtwärmste Jahr seit dem Messbeginn vor knapp 150 Jahren.

Aletsch (via reifue @flickr)

Aletsch (via reifue @flickr)

Das liegt durchaus im Trend, denn seit ungefähr dreissig Jahren gehen die Temperaturen rapide nach oben. Auch befinden sich sechs der sieben heissesten Jahre in den letzten zehn Jahren!

Wenn sich die Schweiz im letzten Jahrzehnt um ein halbes Grad erwärmt, dann können wir auch sehen, wohin das führt und was bereits die Folgen sind.

Auch wenig erstaunlich ist, dass in den Bergen die Temperatur stärker ansteigt. So zeigen die Gegend um Chur und das Rhônetal weitaus grössere Erwärmungen, als das Flachland. Dort ist die Gefahr besonders beim Auftauen des Permafrostes, der sozusagen unsere Alpen zusammenhält.

Bild von reifue auf flickr

Avatar

Letzte Woche war ich im Kino und habe mir Avatar in 3D angeschaut. Toller Film, wenn vielleicht nicht gerade der Film des Jahrzehnts, so doch sicher einer mit Kultpotential.

Faszinierend sind vor allem die Landschaften, Wälder und Pflanzen. Gerade am Anfang ist der Flug durch den Nebelwald sehr gut gemacht. Während dem Film vergass ich oft, dass die ganzen Pflanzen und Landschaften gar nicht real, sondern komplett animiert sind. In 3D fliegen die Äste und Blätter realistisch nahe am Auge vorbei – hier ist diese Technologie ein wirklicher Gewinn.

Die Musik von James Horner ist einerseits super anzuhören, mit vielen ethnischen Instrumenten gespickt und passt bestens zum Film. Andererseits ist sie, obwohl teilweise pompös orchestral, nicht störend und meistens eher im Hintergrund.

Die Einflüsse, die James Cameron in diesen Film eingearbeitet hat, sind vielfältig und oft ziemlich offensichtlich. So tauchen Elemente aus Star Wars (Kampfroboter und die ganzen Helikopter) auf.

Ziemlich augenfällig sind auch die Anspielungen auf die Zerstöung des tropischen Regenwalds, den Irakkrieg (“Wir können nur mit einem Präventivschlag gewinnen!”), Gier der Menschheit nach Unobtainium, die Eroberung Amerikas und Vertreibung der Indianer durch die europäischen Siedler. Die Firma, welche die Minen betreibt und dafür Söldner anstellt, ist zweifellos ein Seitenhieb auf Grosskonzerne, die Rohstoffe in Entwicklungsländern plündern und den Söldnerskandal im Irak mit Blackwater.

Beeindruckend sind vor allem auch die animierten Landschaften. Man fliegt oft durch Bäume, über fliegende Berge und durch die Regenwaldfauna in einem solchen Tempo, dass die schnellen Schnitte kaum auffallen. Oft wurde auch darauf verzichtet, denn die Vegetation macht die Bilder oft sehr unübersichtlich und in 3D noch viel eindrucksvoller.

Als kleiner Tipp: Schaut euch den Film im Originalton an, denn die deutschen Synchronstimmen sind irgendwie recht schräg (wenn man einmal die englischen Originale gehört hat).

Bewertung 5-5Bewertung 5-5Bewertung 5-5Bewertung 5-5Bewertung 5-5

Drei Schritte zum 10:10-Ziel

Während in Kopenhagen zur Zeit kräftig diskutiert wird, ob und wie die Industrieländer ihre Emissionen senken wollen, müssen wir uns auch Gedanken machen, was schon machbar ist. Klar braucht es an vielen Enden und Ecken die Massnahmen aus der Politik, doch gewisse Einsparungen sind schon jetzt möglich.

Kohlekraftwerk (via Wigwam Jones @flickr)

Kohlekraftwerk (via Wigwam Jones @flickr)

Deshalb schlage ich die drei (wohl offensichtlichen) Schritte zum Klimaziel fürs nächste Jahr: In Grossbritannien läuft die 10:10-Kampagne, bei der sich Leute, Organisationen und Unternehmen verpflichten, nächstes Jahr 10 % weniger Treibhausgase zu emittieren. So erreicht man doch knapp die Hälfte der Reduktion bis 2020 in nur einem Jahr. Machbar ist es sicher: Weniger Fleisch essen, weniger fliegen und wenn, dann CO2-kompensiert, grüne Energie fürs Heizen brauchen, etc. Die letztendlich aber entscheidende Hürde ist, ob man es wirklich auch umsetzt und da ist auch bei mir das grösste Problem. Beispielsweise lässt sich die Heizung nicht ändern, weil man in einer Mietwohnung lebt; die Essensgewohnheiten sind schwer zu ändern; Fliegen ist leider nötig, wenn auch nur einmal pro Jahr.

Erster Schritt: Verzichten & Verringern – Das tönt zwar auf den ersten Blick dramatisch, ist es aber in den meisten Fällen gar nicht. Wer von 23°C auf 22°C Raumtemperatur hinuntergeht, spührt das gar nicht, spart aber viel Geld und Öl. Es ist auch möglich, die Abfälle zu verringern, indem auf die Verpackung geachtet wird und die Haushaltsabfälle nicht mit dem Kehrricht entsorgt werden.

Zweiter Schritt Ersetzen & neu Erfinden – Dieser Teil dürfte der spannendste und technischste sein. Beispielsweise gibt es Elektroautos, die genau den gleichen Dienst erweisen. Natürlich gehören auch Leuchtstoffröhren, LED-Lampen, aber auch neue Technologien wie Solarthermie und Windstrom hinhin. Einfach gesagt, alle erneuerbaren Energiequellen, die fossile Energieträger ersetzen oder Technologien, welche die Verbrennung von Treibstoffen überflüssig machen.

Dritter Schritt Geoengineering & Schadensabwehr – Da es im Moment nicht allzu rosig für ein griffiges Abkommen aussieht, brauchen wir – aber erst nachdem die beiden vorigen Schritte gemacht wurden – Massnahmen und Lösungen, um die Folgen des Klimawandels abzuwenden. Dazu zählen verschiedenste Vorschläge, wie etwa die weiss gestrichenen Dächer, Spiegel in der Atmosphäre oder Binden von CO2 in Kalk und Terra Preta. Diese Lösungen haben allerdings ihre Schwächen brauchen noch Zeit bis zur Reife. Ausserdem lösen sie das Problem von Umweltverschmutzung, -zerstörung und den begrenzten Resourcen nicht.

Bild von Wigwam Jones auf flickr