Archiv für das 'europa'-tag

Unser Verteidigungsreflex

Und wieder einmal: Jemand bietet ausländischen Behörden Daten von mutmasslichen Steuerzinterziehern an. Hier gehen natürlich die Wellen hoch, Bundesräte sind entsetzt und Finanzpolitiker reden von “modernem Bankraum” (Quelle: CVP-Nationalrat Pirmin Bischof auf dem Newsnetz).

Money (via _Teb @flickr)

Money (via _Teb @flickr)

Auch ein Blick auf die Seiten von DRS und der deutschen Tagesschau zeigt, wie schnell wir über solche Nachrichten in Alarmstimmung versetzt wrden, während es in Deutschland als wichtig, aber nicht als Topthema angesehen wird.

Ich finde es schon erstaunlich, dass wir zwar rhetorisch das Bankgeheimnis, die Kunden und damit auch viele Steuerhinterzieher beschützen, allerdings rascher einknicken, als die Bäume bei Lothar. Auch ist die Wut gross, doch wieso überhaupt? Ist es plötzlich legitim, wenn wir als Staat, ja gar als Nation Steuerbetrüger schützen?

Wenn man sich die enormen Summen anschaut, die über diverse zwielichtige Konstrukte offshore bei uns gelagert werden, muss man schon misstrauisch werden. Lohnt es sich, eine Branche zu unterstützen, die offensichtlich widerrechtlich handelt und uns international isoliert?

Komisch ist auch die Art und Weise, mit welcher die erstaunlich rasche Abschaffung des Bankgeheimnis’ aufgefasst wurde. In vielen Medien äusserten sich Politikerinnen und Bürger, dass mit dem Bankgeheimnis eine Schweizer Institution verschwinde. Ach ja… Und die Radikalkürzung bei der Arbeitslosenkasse ist dann ok? Stimmt, sie betrifft ja nur die Jungen, die wehren sich sowieso nicht…

Bild von _Teb auf flickr

Die grüne urbane Zukunft

In Hammarby Sjöstad ist die grüne Zukunft angekommen: Das ehemaligen Instrieviertel ist nun die beliebteste Wohngegend von Stockholm. Dies nicht einfach nur wegen der optimalen Lage nahe der Stadt und doch ruhig gelegen.

Hammarby Sjöstad ist interessant, weil dort neuste grüne Technologien angewendet werden. Eine Bewohnerin dieses Quartiers ist für gerade einmal die Hälfte der CO2-Emissionen einer durchschnittlichen Schwedin verantwortlich. So wird der Abfall getrennt, automatisch gesammelt und gleich recycliert. Auch die Wohnungen sind von der Wärmedämmung und Heizung auf neustem Stand.

Wichtig ist auch die Mobilität, welche zumindest hier (noch?) nicht zum Modell gehört. Im Sommer ist man schnell mit dem Langsamverkehr (Velo, Füsse, Inline-Skates, etc.) in der Stadt und für den kalten Teil des Jahres gibt es ja noch den öffentliche Verkehr.

Das Informationszentrum, welches ursprünglich für die BewohnerInnen selbst gedacht war, wird auch immer mehr von Auswärtigen besucht, die entweder gerne umweltfreundlich leben möchten oder sich über das Projekt informieren wollen. Ich denke, dass dieses Informationszentrum sehr wichtig ist, denn es ist doch manchmal ein Problem, nicht genau zu wissen, welche Alternative jetzt die wirklich beste ist. Da hilft es einem sicher, wenn Leute diese Infos haben und gleich noch um die Ecke sind.

Radio-Beitrag von DRS In Hammerby Sjöstad ist die Zukunft bereits Realität

Lichter in Hammarby Sjöstad (via Anders Adermark @flickr)

Lichter in Hammarby Sjöstad (via Anders Adermark @flickr)

Das Interessante an Hammarby Sjöstad ist nicht nur die Aufwertung einer Industriebrache, wie wir es momentan in Zürich und anderen europäischen Grossstädten sehen, sondern die gezielte Planung und den kompletten Einbezug der besten grünen Technik.

Natürlich kann man nun sagen, dass die hohen Preise das umweltfreundliche Wohnen nicht allen zugänglich machen. So können sich nur gutverdienende Paare, glücklicherweise oft Familien, die beliebten Wohnungen dort leisten. Das erscheint auf den ersten Blick sicher richtig, doch stellt sich bei genauerem Hinschauen als Fata Morgana heraus. Die hohen Mieten sind nur teilweise durch die teure Technik bedingt, vielmehr spielt die grosse Nachfrage eine Rolle.

Die Preise sind nicht zuletzt deshalb so hoch, weil Hammarby Sjöstad sehr attraktiv ist. So waren die Preise am Anfang trotz der Renovationen und diversen teuren Anlagen eher günstig, doch sie stiegen durch Marktmechanismen rasch an. Es ist also klar, dass man solche Viertel auch erstellen kann, ohne gleich die höchsten Preise zu verlangen. Deshalb kann das Modell, mit Anpassungen, auch auf andere Städte und Wohngegenden übertragen werden.

Gerade im Industriequartier von Zürich (Kreis 5) haben wir gesehen, wie man aus einer Industriebrache eine attraktive Wohngegend machen kann. Es ist höchste Zeit, dass sich unsere Stadtregierungen diesem Thema annehmen. Natürlich muss dabei immer auch darauf geschaut werden, dass das Preisniveau nicht steigt und durch die grosse Nachfrage nach oben gedrückt wird.

Die ganze Geschichte ist vegleichbar mit der Einführung des Katalysators, dort war die Schweiz ja führend in Europa. Wenn wir es zur Vorschrift machen, dass Neubauten und Totalsanierungen den Minergie-P-Standard haben müssen, können wir die Kosten für solche Projekte dramatisch senken.

Genauso wie bei den erneuerbaren Energien, wo man in Deutschland und auch Schweden kräftig vorwärts macht, nicht zuletzt zum Wohl der eigenen Arbeiter, so sind wir in der Schweiz wieder einmal auf dem besten Weg, diese Entwicklung zu verschlafen. Bereits gibt es weltweit mehrere dieser so genannten Öko-Städte. Wir haben auch massenhaft sanierungsbedürftige Wohnsiedlungen, denen man mit etwas Geschick sicher neuen Glanz verleihen kann.

Bild von Anders Adermark auf flickr

Comprehensive Copenhagen Climate Change Conference Coverage

Lappland (via villoks @flickr)

Lappland (via villoks @flickr)

Zu Beginn gleich meine Entschuldigung an alle, welche den Titel blöd finden: Sorry, aber die Aussicht auf eine solche Alliteration war einfach zu verlockend. ;-)

Heute beginnt die Klimakonferenz in Kopenhagen. Sie wird das wohl stark darüber entscheiden, ob und wie es mit diesem Planeten und der Spezies Mensch weitergehen wird. In der Zeit der Konferenz, also bis am 18. Dezember, werde ich regelmässig zur Klimaerwärmung und der Konferenz selbst schreiben. All das findest du unter dem Tag [cop15].

Wenn du der Konferenz folgen (*) möchtest oder weitere Infos zum Thema Klimawandel (#) brauchst, versuche die Links unten:

Wenn du der Klimadebatte auch auf Twitter folgen möchtest, so habe ich diese Channel anzubieten oder einfach meine Klimakonferenz-Liste:

Bild von villoks auf flickr

Bizarre Logik

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Wir stehen – international, aber auch hier in der Schweiz – vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur ist die Schweizer Verfassung seit Sonntag menschenrechtswidrig (betreffend Artikel 2 und 18), sondern dank den Rechtskonservativen gibt es neben dem Röstigraben auch noch viele mehr.

Beachtlich ist, wie mit einer bizarren Logik eine absolut nutzlose und enorm schädliche Initiative angenommen wurde. Monatelang war die Diskussion wie ein Alptraum, in dem die bizarrsten Argumente herumgeboten wurden und Angst, in noch nie gekanntem Ausmass verbreitet wurde.

Diese verschwurbelte Argumentation, oder besser Propaganda, wurde auch mit so einigen falschen Aussagen geführt. So wurde ein angeblicher Professor aufgeboten, leider kommt das erst jetzt raus. Erstaunlich, nicht? Von allen Ehrlichkeit und Rechtsstaat erwarten, selber aber bescheissen, dass sich die Balken biegen.

Jetzt müssen wir aber wieder zum Alltag übergehen und lieber dort den latenten Rassismus und Xenophobie bekämpfen. Das geht aber nicht mit markigen Sprüchen, auch wenn die eine oder andere Petition oder Demo sicher am Anfang gut tut.

Qualifizierte Stimmen gibt es auch schon und die sagen Interessantes… ähhh… Bekanntes:

Ich habe kaum Sympathien für den Islam noch für andere Religionen. Diese Abstimmung war aber nicht in erster Linie über den Islam oder über religiöse Bauten. Es ging um eine Verfassungsänderung welche explizit eine spezifische religiöse Minderheit diskriminiert. Ein Staat kann aber nicht zwischen verschiedenen Glauben diskriminieren weil sie sind, was sie eben sind: Eine Frage des Glaubens und nicht Fakten. Dort liegt einen Teil des Problems. Weil man die Wahrheit eben glauben muss und ein Beweis nicht erbracht werden kann ist es sehr wahrscheinlich, dass man in der eigenen Religions-Blase gefangen ist. Was für einen aussenstehenden Beobachter nach Diskriminierung aussieht, erscheint völlig fair für die Gläubigen. Eine Mehrheit der Schweizer Stimmbürgerinnen und -bürger haben heute mit ihrem Bauch gedacht.1 Dies ist immerhin das Land, welches bis 1874 in seiner Verfassung gegen Juden und bis 1973 gegen Jesuiten diskriminierte. Quelle: Minarettverbot in der Schweiz: Demokratische Perversion von Ali Arbia

Gut beobachtet. Diese Diskriminierung ist auch deshalb ein Problem, weil sie einen enorm wichtigen Grundpfeiler der Gesellschaft ins Wanken bringt. Die Menschenrechte sind aber nicht einfach nur wichtig, weil sie toll sind. Die Menschenrechte bedeuteten Freiheiten für alle überall und können nicht teilweise zugestanden sein – alle oder keine! Deshalb ist ein Verstoss gegen Art. 2 & 18 so gravierend, weil damit auch sämtliche (noch) unbestrittenen Rechte tangiert werden.

Helfen würde ein gesetzlicher Schutz für gewaltbetroffene Migrantinnen, der bisher immer wieder im Ständerat scheitert, ein humanitäres Bleiberecht der Kantone für die Opfer von Frauenhandel. Helfen würde das AusländerInnenstimmrecht. Auch der direkten Demokratie. Quelle: Zum Schutz von Weib und Kind? der WOZ

Genau, denn es ist schon erstaunlich, wie sich gewisse Neo-Feministen noch anfangs dieses Jahrtausends dagegen gewehrt haben, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt wird. Oder dass der Frauenhandel nachhaltig bekämpft wird. oder… oder…

Obama will Afghanistan reparieren

Lange warteten die USA auf die Entscheidung ihres obersten Befehlshabers: Barack Obama hat heute angekündigt, seine Entscheidung zu Afghanistan nächste Woche bekannt zu geben. Klar ist aber schon heute: Der Krieg, zumindest einigermassen berechtigt gestartet vom damaligen Präsidenten Bush, hat sich vor allem dem total unnötigen Krieg im Irak zu einem Alptraum entwickelt.

Road in Afghanistan Mountains (via The U.S. Army @flickr)

Road in Afghanistan Mountains (via The U.S. Army @flickr)

Das hat unter anderem damit zu tun, dass das Engagement in Afghanistan die US-Truppen stark durch den Irak-Krieg geschwächt hat. Hilfswerke kritisieren aber auch, dass die Lage der Zivilbevölkerung immer schlimmer wird. Das dürfte sicher die einen oder anderen neuen Anhänger für die Taliban bringen.

Wenn Barack Obama nun also den Auftrag komplett erfüllen will, hoffe ich doch, es gelingt ihm. Denn wir können es auf keinen Fall erlauben, die Region derart instabil zu lassen.Die Lage der Zivilbevölkerung muss dringend verbessert werden, denn was zur Zeit dort abgeht, ist auf keinen Fall menschenwürdig. Der dumme Krieg, den George Bush gegen Hussein vom Zaun riss, verschlimmerte die Situation dramatisch.

Es kann ja nicht sein, dass wir eine solche Situation noch länger zulassen. Deshalb ist die rasche und nachhaltige Lösung der Kriegs in Afghanistan dringend nötig. Dass Obama diese sucht, bezweifle ich nicht.

Obama schickt zehntausend zusätzliche Soldaten nach Afghanistan, weiss die NZZ

Bild von The U.S. Army auf flickr