Archiv für das 'freiheit'-tag

Grossdemo im Iran

Die Iranerinnen und Iraner geben nicht auf! Nachdem die Wahlen vom Mitte 2009 klar gefälscht wurden, gab es bereits grosse Demonstrationen, hartes Einschreiten des Regimes, viele Festgenommene, Gefolterte, etc.

Doch nun fordern die Leute, welche sich durch das Demonstrieren in grosse Gefahr begeben, ein weiteres Mal das Regime um Ahmadinedschad heraus. Offenbar sind auch bereits Schüsse auf Demonstranten gefallen!

Wer mehr zu den aktuellen Entwicklungen in Teheran und weiteren Städten im Iran wissen will, dem sei ein Besuch auf diesen Seiten empfohlen:

Zwei Uiguren aufgenommen!

YES haben manche gesagt, als gestern Abend die Nachricht kam, dass zum Usbeken, der in Genf aufgenommen wurde, sich nun zwei Uiguren im Kanton Jura gesellen.

Die Schweiz scheint wieder die havarierte humanitäre Tradition wiederbeleben zu wollen. Das lässt hoffen.

Warum der Jura die zwei Uiguren aufnehmen will, darüber wird noch gemutmasst. Die offizielle, und meiner Meinung nach auch ehrliche, Begründung ist, dass man sich aus humanitären Gründen dafür einsetzt. Die beiden Brüder wurden jahrelang in Guantanamo festgehalten, vermutlich auch gefoltert – alles ohne Prozess, Anklage, Rechtsmittel. Sie jetzt freizulassen und wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ist mehr als überfällig.

Mich freut auch, dass man nicht eingeknickt ist vor den chinesischen Drohungen und Warnungen, die beiden Uiguren seien gefährlich. Barack Obama hat am 22. Januar 2009, also bereits an seinem dritten Tag im Amt, angekündigt, Guantanamo zu schliessen.

Die Leute sind auch gar nicht alle gefährlich. Viele, ich meine sogar die meisten, wurden komplett unschuldig und zufällig gefangen genommen, dann brachte man sie nach Guantanamo auf Kuba. Für die Schweiz besteht kein Risiko, wenn wir diese Leute nun aufnehmen, was man auch immer erzählt.

Die übelste Firma 2009

Public Eye Awards 2009

Public Eye Awards 2009

Es sind sechs üble Firmen, die alle hart für die Nominierung gearbeitet haben. Ja, wie jedes Jahr vor dem WEF in Davos suchen die Erklärung von Bern und Greenpeace für die Public Eye Awards die übelste Firma aus dem vergangenen Jahr. Verliehen wird der Preis morgen offenbar mit einiger Prominenz.

Ganz extrem sind natürlich die Beispiele der Roche, welche in dunkle Organhandel in China verwickelt ist und der PR-Agentur Farner, die bei der GSoA spioniert hat.

Jetzt gibt es also nur eines und nur noch heute Abend: Abstimmen!, es wäre ja super, noch über 20′000 Stimmen zu kommen.

Gewonnen haben übrigens Roche und die Royal Bank of Canada. An der Preisverleihung mit viel Prominenz wurden auch die Preise in der Kategorie Greenwash an das CEO Water Mandate. Schlussendlich geht der People’s Award (Resultat der Abstimmung) an Roche. – Gratulation?

Die Glaubensfrage – oder warum es eben keine ist

Eine Umfrage aus Grossbritannien zeigt wenig erstaunliches: Während nur gerade 1 % der Wissenschaftsgemeinschaft nicht an den Klimawandel glaubt, leugnen 60 % der Gesamtbevölkerung diese wissenschaftliche Theorie. Erstaunlich viele Bloggerinnen, Leserbriefschreiber und Newsnetz-Kommentarposter sind in diesen 60 % enthalten. Natürlich sieht man oft nur die, welche am lautesten schreien. Die öffentliche Meinung ist aber oft die, dass man ja nicht sicher wissen könne, wie es um den Klimawandel wirklich steht. Glücklicherweise hat sich der Trend in den USA dahin gewendet, dass die Fähigkeit und Pläne von Obama zum Lösen der Klimakrise angezweifelt werden. Genau dort gehört auch die Energie hin!

Approaching Blue Glacier (via Stuck in Customs @flickr)

Approaching Blue Glacier (via Stuck in Customs @flickr)

Doch ist es überhaupt eine Glaubensfrage? Ist es nicht vielmehr eine Leugnung von unangenehmen Tatsachen, was Al Gore bereits in seinem Film An Inconvenient Truth ansprach.

Oft geht man durch bestimmte Reihe von Stufen (erinnert irgendwie an das Kübler-Ross-Modell), wenn man mit einem Klimawandel-Leugner spricht. Nicht zwingend treten sie in der Reihenfolge auf, in der ich sie beschreibe, aber doch ganz häufig:

Zuerst kommt das Argument: “Das Klima erwärmt sich gar nicht!” – Tja, schön wäre es, aber Satellitendaten und mehr als hundert Jahre Temperaturmessungen können wohl nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt falsch liegen. Oft hört man dann auch, dass es gegenteilige Beweise gebe – Crap!

Darauf folgt die Behauptung, dass der Klimawandel natürlich sei (wie so gut alles, gell Herr Schneider?!), folgt dann oft auf dem Fuss. Doch auch wenn es hier schwierig wird, als Laie diese hochkomplexen Themen zu erläutern, gibt es doch eine gute Antwort: Die Erwärmung ist vielleicht nicht unüblich in ihrer Amplitude, aber doch in der Geschwindigkeit. So schnell hat der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die Temperatur noch nie zugenommen.

Schlussendlich sind wir bei der Kategorie FUD, was so viel wie Fear, Uncertainty, Doubt bedeutet, oder wie ich es lieber nenne: Fundamental Understanding Deficiency (grundlegendes Verständnisdefizit). So wird die Wahrscheinlichkeit in der Wissenschaft (bewusst) falsch ausgelegt oder schlicht etwas erfunden.

Als ultimativer Totschlaghammer wird in so manchen Kommentaren im Newsnetz und auf den Seiten von SF vorgebracht, dass es in Kopenhagen um die Etablierung einer (sozialistischen) Weltregierung ging und immer noch geht. Wenn die Diskussion zu diesem Punkt gekommen ist, höre ich normalerweise auf, wenn wer solches Zeug erfindet, wird alles was gesagt oder nicht gesagt wird als Beweis für seine abstrusen Ideen sehen.

über den Wolken (via petter palander @flickr)

über den Wolken (via petter palander @flickr)

Die ganze Debatte rund um die falsche Diskussion über Einschränkung oder Freiheit hat Titus sehr schön abgehandelt.

Vielfach spürt man hinter der Leugnung des Klimawandels eine Angst vor Einschränkungen (siehe oben) oder vor dem Eingeständnis, dass man selbst nicht alles richtig macht. Lange Jahre war es gut, zu arbeiten, zu sparen und sich dann ein Auto zu kaufen oder nach Übersee zu fliegen. Soll das jetzt alles nicht mehr gelten? Diese Doppelbödigkeit drückt sich auch dann aus, wenn gesagt wird, dass es den Klimaschützern nur ums Geld gehe. Offenbar reicht der Blick dann nicht so weit, als dass die Milliardengewinne der Ölkonzerne als Geld zählen. Auch sehr widersprüchlich ist diese Haltung, wenn man beachtet, dass sich die Diskussionen (so auch in Kopenhagen) immer um die Finanzierung drehen und gesagt wird, man habe das Geld nicht.

Um es nochmals klar und deutlich zu sagen: Hier geht es um die Realität und auch wenn alle Menschen ihre eigene Wahrheit haben dürfen, so gibt es davon unabhängig eine einzige Realität. Die Beschreibung dieser ist wiederum Sache der Wissenschaft, womit wir wieder beim Thema sind.

Die Behauptung, dass jedeR glauben könne, was sie/er will, ist sicherlich richtig im Bezug auf Religion, aber bei faktisch klaren Dingen wie dem Klimawandel, ist eben nicht jede Meinung gleich gültig. Wie ich schon erklärt habe, ist es zwar wichtig, andere Meinungen anzuhören, aber wenn es eben nicht mehr um Wissenschaft, sondern Leugnung des Offensichtlichen geht, müssen auch die Medien ihre Ausgeglichenheit überdenken.

Mir geht es sicher nicht darum, Panik zu verbreiten, aber den Tatsachen müssen wir doch ins Auge blicken! Wir können ja auch nicht, nur weil es uns nicht behagt, unsere Sterblichkeit verleugnen (frei nach George Monbiot). Die Fakten sind also klar. Wenn hier wieder das übliche Argument der angeblichen Panikmache kommt: Es gibt sie nicht! Das Problem ist real und seit langem bekannt. Erst seit wenigen Jahren allerdings schenkt die Wissenschaft und Politik ihm die nötige Aufmerksamkeit. Da nun die Zeit für Massnahmen knapp wird, drängen logischerweise viele Organisationen auf rasche Emissionsreduktionen. Das als Panikmache zu verteufeln, ist ganz unsportlich, denn nicht nur hat es rein gar nichts mit der Realität zu tun, es ist auch heuchlerisch, weil damit oft die eigenen Verhaltensänderungen abgelehnt werden.

Grey Gletscher in Chile (via Christian Watzke @flickr)

Grey Gletscher in Chile (via Christian Watzke @flickr)

Wenn nun also die Inselstaaten verzweifeln oder grosse Versprechen machen, dann nicht nur, um einfach mehr Gelder abzukassieren. Es geht eben auch darum, ob und wie sie weiterhin überleben wollen. Denn die bedrohten Inselparadiese haben auch ein riesiges Problem: Sie können nicht einfach ein wenig Küstenlinie räumen, sondern gehen gleich komplett unter und müssen sich möglicherweise ein neues Gebiet für ihren Staat suchen oder sich gleich auflösen.

Die Lösung? Du!

Bild von Stuck in Customs, petter palander und Christian Watzke auf flickr