Eine Umfrage aus Grossbritannien zeigt wenig erstaunliches: Während nur gerade 1 % der Wissenschaftsgemeinschaft nicht an den Klimawandel glaubt, leugnen 60 % der Gesamtbevölkerung diese wissenschaftliche Theorie. Erstaunlich viele Bloggerinnen, Leserbriefschreiber und Newsnetz-Kommentarposter sind in diesen 60 % enthalten. Natürlich sieht man oft nur die, welche am lautesten schreien. Die öffentliche Meinung ist aber oft die, dass man ja nicht sicher wissen könne, wie es um den Klimawandel wirklich steht. Glücklicherweise hat sich der Trend in den USA dahin gewendet, dass die Fähigkeit und Pläne von Obama zum Lösen der Klimakrise angezweifelt werden. Genau dort gehört auch die Energie hin!

Approaching Blue Glacier (via Stuck in Customs @flickr)
Doch ist es überhaupt eine Glaubensfrage? Ist es nicht vielmehr eine Leugnung von unangenehmen Tatsachen, was Al Gore bereits in seinem Film An Inconvenient Truth ansprach.
Oft geht man durch bestimmte Reihe von Stufen (erinnert irgendwie an das Kübler-Ross-Modell), wenn man mit einem Klimawandel-Leugner spricht. Nicht zwingend treten sie in der Reihenfolge auf, in der ich sie beschreibe, aber doch ganz häufig:
Zuerst kommt das Argument: “Das Klima erwärmt sich gar nicht!” – Tja, schön wäre es, aber Satellitendaten und mehr als hundert Jahre Temperaturmessungen können wohl nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt falsch liegen. Oft hört man dann auch, dass es gegenteilige Beweise gebe – Crap!
Darauf folgt die Behauptung, dass der Klimawandel natürlich sei (wie so gut alles, gell Herr Schneider?!), folgt dann oft auf dem Fuss. Doch auch wenn es hier schwierig wird, als Laie diese hochkomplexen Themen zu erläutern, gibt es doch eine gute Antwort: Die Erwärmung ist vielleicht nicht unüblich in ihrer Amplitude, aber doch in der Geschwindigkeit. So schnell hat der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die Temperatur noch nie zugenommen.
Schlussendlich sind wir bei der Kategorie FUD, was so viel wie Fear, Uncertainty, Doubt bedeutet, oder wie ich es lieber nenne: Fundamental Understanding Deficiency (grundlegendes Verständnisdefizit). So wird die Wahrscheinlichkeit in der Wissenschaft (bewusst) falsch ausgelegt oder schlicht etwas erfunden.
Als ultimativer Totschlaghammer wird in so manchen Kommentaren im Newsnetz und auf den Seiten von SF vorgebracht, dass es in Kopenhagen um die Etablierung einer (sozialistischen) Weltregierung ging und immer noch geht. Wenn die Diskussion zu diesem Punkt gekommen ist, höre ich normalerweise auf, wenn wer solches Zeug erfindet, wird alles was gesagt oder nicht gesagt wird als Beweis für seine abstrusen Ideen sehen.

über den Wolken (via petter palander @flickr)
Die ganze Debatte rund um die falsche Diskussion über Einschränkung oder Freiheit hat Titus sehr schön abgehandelt.
Vielfach spürt man hinter der Leugnung des Klimawandels eine Angst vor Einschränkungen (siehe oben) oder vor dem Eingeständnis, dass man selbst nicht alles richtig macht. Lange Jahre war es gut, zu arbeiten, zu sparen und sich dann ein Auto zu kaufen oder nach Übersee zu fliegen. Soll das jetzt alles nicht mehr gelten? Diese Doppelbödigkeit drückt sich auch dann aus, wenn gesagt wird, dass es den Klimaschützern nur ums Geld gehe. Offenbar reicht der Blick dann nicht so weit, als dass die Milliardengewinne der Ölkonzerne als Geld zählen. Auch sehr widersprüchlich ist diese Haltung, wenn man beachtet, dass sich die Diskussionen (so auch in Kopenhagen) immer um die Finanzierung drehen und gesagt wird, man habe das Geld nicht.
Um es nochmals klar und deutlich zu sagen: Hier geht es um die Realität und auch wenn alle Menschen ihre eigene Wahrheit haben dürfen, so gibt es davon unabhängig eine einzige Realität. Die Beschreibung dieser ist wiederum Sache der Wissenschaft, womit wir wieder beim Thema sind.
Die Behauptung, dass jedeR glauben könne, was sie/er will, ist sicherlich richtig im Bezug auf Religion, aber bei faktisch klaren Dingen wie dem Klimawandel, ist eben nicht jede Meinung gleich gültig. Wie ich schon erklärt habe, ist es zwar wichtig, andere Meinungen anzuhören, aber wenn es eben nicht mehr um Wissenschaft, sondern Leugnung des Offensichtlichen geht, müssen auch die Medien ihre Ausgeglichenheit überdenken.
Mir geht es sicher nicht darum, Panik zu verbreiten, aber den Tatsachen müssen wir doch ins Auge blicken! Wir können ja auch nicht, nur weil es uns nicht behagt, unsere Sterblichkeit verleugnen (frei nach George Monbiot). Die Fakten sind also klar. Wenn hier wieder das übliche Argument der angeblichen Panikmache kommt: Es gibt sie nicht! Das Problem ist real und seit langem bekannt. Erst seit wenigen Jahren allerdings schenkt die Wissenschaft und Politik ihm die nötige Aufmerksamkeit. Da nun die Zeit für Massnahmen knapp wird, drängen logischerweise viele Organisationen auf rasche Emissionsreduktionen. Das als Panikmache zu verteufeln, ist ganz unsportlich, denn nicht nur hat es rein gar nichts mit der Realität zu tun, es ist auch heuchlerisch, weil damit oft die eigenen Verhaltensänderungen abgelehnt werden.

Grey Gletscher in Chile (via Christian Watzke @flickr)
Wenn nun also die Inselstaaten verzweifeln oder grosse Versprechen machen, dann nicht nur, um einfach mehr Gelder abzukassieren. Es geht eben auch darum, ob und wie sie weiterhin überleben wollen. Denn die bedrohten Inselparadiese haben auch ein riesiges Problem: Sie können nicht einfach ein wenig Küstenlinie räumen, sondern gehen gleich komplett unter und müssen sich möglicherweise ein neues Gebiet für ihren Staat suchen oder sich gleich auflösen.
Die Lösung? Du!
Bild von Stuck in Customs, petter palander und Christian Watzke auf flickr