Archiv für das 'frieden'-tag

Obamabashing

Heute ist Barack Obama bereits seit einem Jahr im Amt, Zeit für einen Rückblick. Hier in Europa, ohne Zweifel auch auf der anderen Seite des Teichs, wird er als Präsident “ohne Eigenschaften”, Ecken und Kanten bezeichnet. Gewisse Leute unterstellen ihm, das Land Richtung Sozialismus zu führen – wobei ich das Drama dabei gar nicht erkennen kann.

Barack Obama hat zwei jahrelange und teilweise katastrophal schlecht geführte Kriege übenommen, ein zwar sehr gutes, aber für 50 Millionen AmerikanerInnen nicht zugängliches Gesundheitssystem angepackt, die diplomatischen Beziehungen aufgefrischt und nicht zuletzt dafür den Friedens-Nobelpreis bekommen.

Wenn nun einige merken, dass auch er nur mit Wasser kocht, ist das schon erstaunlich. Es war sicherlich einfach, sich von Obamas grosen Reden und Versprechen etwas blenden zu lassen, aber tatsächlich versucht er auch, diese Dinge umzusetzen. Klar ist, dass keine Wunder zu erwarten sind, aber doch eine spürbare Veränderung und der Wille, die Verantwortung der USA wahrzunehmen. Ein Vorbild für so manche hier ist Barack Obama schon jetzt.

Führen wir uns doch einmal vor Augen, was Obama alles versucht, gar nicht getan und erreicht hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er keinen komplett unnötigen Krieg losgetreten, keine Bürgerrechte am Laufmeter verletzt, keine Folter angeordnet zugelassen, keine Staatsanwälte aus politischen Gründen gefeuert, keine Lügen zu Massenvernichtungswaffen und der inexistenten Verbindung Saddam Hussein/Al Quaida erzählt.

Ich vermute, dass vieles, was die Bush-Administration gemacht hat, gar nie auf dieser Seite des Teiches angekommen ist. Was wissen wir schon von Cheneys verlorenen E-Mails (über eine Million verschwand, obwohl sie archiviert werden müssten), den CIA-Foltergefängnissen in Osteuropa und der absolut missratenen Antwort auf die Katrina-Katastrophe. Obwohl das Erdbeben in Haiti nicht auf US-Boden stattfand, meine ich, viel mehr Plan und Überlegung in der Antwort der Obama-Administration zu sehen (die mutmasslichen Hintergedanken einmal ausgeblendet).

Klar, Barack Obama hat sicher nicht alles erreicht, was er will: Guantanamo ist immer noch in Betrieb, auch weil sich andere nach Kräften dagegen wehren, von dort Häftlinge aufzunehmen.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war auch nicht der erhoffte Erfolg, vor allem weil der US-Kongress nicht mitmacht.

Bizarre Logik

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Wir stehen – international, aber auch hier in der Schweiz – vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur ist die Schweizer Verfassung seit Sonntag menschenrechtswidrig (betreffend Artikel 2 und 18), sondern dank den Rechtskonservativen gibt es neben dem Röstigraben auch noch viele mehr.

Beachtlich ist, wie mit einer bizarren Logik eine absolut nutzlose und enorm schädliche Initiative angenommen wurde. Monatelang war die Diskussion wie ein Alptraum, in dem die bizarrsten Argumente herumgeboten wurden und Angst, in noch nie gekanntem Ausmass verbreitet wurde.

Diese verschwurbelte Argumentation, oder besser Propaganda, wurde auch mit so einigen falschen Aussagen geführt. So wurde ein angeblicher Professor aufgeboten, leider kommt das erst jetzt raus. Erstaunlich, nicht? Von allen Ehrlichkeit und Rechtsstaat erwarten, selber aber bescheissen, dass sich die Balken biegen.

Jetzt müssen wir aber wieder zum Alltag übergehen und lieber dort den latenten Rassismus und Xenophobie bekämpfen. Das geht aber nicht mit markigen Sprüchen, auch wenn die eine oder andere Petition oder Demo sicher am Anfang gut tut.

Qualifizierte Stimmen gibt es auch schon und die sagen Interessantes… ähhh… Bekanntes:

Ich habe kaum Sympathien für den Islam noch für andere Religionen. Diese Abstimmung war aber nicht in erster Linie über den Islam oder über religiöse Bauten. Es ging um eine Verfassungsänderung welche explizit eine spezifische religiöse Minderheit diskriminiert. Ein Staat kann aber nicht zwischen verschiedenen Glauben diskriminieren weil sie sind, was sie eben sind: Eine Frage des Glaubens und nicht Fakten. Dort liegt einen Teil des Problems. Weil man die Wahrheit eben glauben muss und ein Beweis nicht erbracht werden kann ist es sehr wahrscheinlich, dass man in der eigenen Religions-Blase gefangen ist. Was für einen aussenstehenden Beobachter nach Diskriminierung aussieht, erscheint völlig fair für die Gläubigen. Eine Mehrheit der Schweizer Stimmbürgerinnen und -bürger haben heute mit ihrem Bauch gedacht.1 Dies ist immerhin das Land, welches bis 1874 in seiner Verfassung gegen Juden und bis 1973 gegen Jesuiten diskriminierte. Quelle: Minarettverbot in der Schweiz: Demokratische Perversion von Ali Arbia

Gut beobachtet. Diese Diskriminierung ist auch deshalb ein Problem, weil sie einen enorm wichtigen Grundpfeiler der Gesellschaft ins Wanken bringt. Die Menschenrechte sind aber nicht einfach nur wichtig, weil sie toll sind. Die Menschenrechte bedeuteten Freiheiten für alle überall und können nicht teilweise zugestanden sein – alle oder keine! Deshalb ist ein Verstoss gegen Art. 2 & 18 so gravierend, weil damit auch sämtliche (noch) unbestrittenen Rechte tangiert werden.

Helfen würde ein gesetzlicher Schutz für gewaltbetroffene Migrantinnen, der bisher immer wieder im Ständerat scheitert, ein humanitäres Bleiberecht der Kantone für die Opfer von Frauenhandel. Helfen würde das AusländerInnenstimmrecht. Auch der direkten Demokratie. Quelle: Zum Schutz von Weib und Kind? der WOZ

Genau, denn es ist schon erstaunlich, wie sich gewisse Neo-Feministen noch anfangs dieses Jahrtausends dagegen gewehrt haben, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt wird. Oder dass der Frauenhandel nachhaltig bekämpft wird. oder… oder…

Waffen und Türme

Nur ein kleiner Kommentar über die gestrigen Abstimmungen. Es ist dringend einmal wieder Zeit für einen Cacerolazo!

Danke, dass wir bigotte Schweizer zwar weiterhin Waffen in alle Kriege liefern, dafür aber gewisse Türme nicht mehr bauen wollen.

Nur, um es nochmal klar zu machen

Die SP Schweiz macht es heute nochmals klar, wieso das einzig richtige ein NEIN zur Minarettinitiative ist und hier zitiere ich einmal ganz dreist aus ihrer Medienmitteilung:

Der Himmel über der Schweiz ist gross genug.

Der Himmel über der Schweiz ist gross genug.

Der Bundesrat, das Parlament, die SozialdemokratInnen, FDP.Die Liberalen, die ChristdemokratInnen, die Bürgerlich-Demokratische Partei, die Grünen, die Grünliberalen, die Evangelische Volkspartei, die Christlich-soziale Partei, die Partei der Arbeit sowie die Wirtschaftsorganisationen und die Gewerkschaften sind sich einig: NEIN zur Minarett-Initiative!

  • Die Initiative verstösst gegen unsere Grundwerte – In der Schweiz hat jeder ein Recht auf freie Meinungsäusserung, Glaubensfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz. Diese Werte sind die Grundpfeiler unserer Verfassung und unserer Demokratie. Die Schweiz würde ihre eigenen Werte missachten, ohne im Gegenzug etwas zu gewinnen.
  • Die Initiative ist unnötig, das geltende Recht reicht – Die Schweiz hat die rechtlichen Mittel, um religiöse Gebäude (Minarette oder andere) abzulehnen. Sollte an einer ungeeigneten Stelle gebaut werden, können Kantone und Gemeinden auf das Raumplanungs- und Baurecht zurückgreifen. Es ist unnötig, ein pauschales Verbot in der Verfassung zu verankern.
  • Die Initiative gefährdet den Religionsfrieden – Unter dem Vorwand gegen Extremisten vorzugehen, wird eine Religion diskriminiert, bei welcher eine überwiegende Mehrheit in unserem Land gut integriert ist. Die Initiative provoziert religiöse Spannungen und untergräbt den jahrhundertelangen Religionsfrieden in der Schweiz.
  • Die Initiative sorgt nicht für mehr Sicherheit – Der Kampf gegen alle Formen des Extremismus und Fundamentalismus ist eine wichtige Aufgabe des Staates. Er muss dafür sorgen, dass Gebetsorte nicht dafür missbraucht werden, um gewalttätige Ideologien zu verbreiten, welche extremistisch und gefährlich für die Demokratie sind. Die Initiative trägt aber nicht zur Sicherheit bei, da sie nur verbietet, Türme zu bauen.
  • Die Initiative ist gefährlich und kontraproduktiv – Die alleinige Diskriminierung des islamischen Glaubens (andere Religionen kennen kein vergleichbares Bauverbot), wird die Extremisten stärken; sie werden zur Bekämpfung dieser Diskriminierung aufrufen.
  • Die Initiative zerstört die Integrationsbemühungen – Die Geschichte zeigt, dass durch die Integration Religions- und Bürgerfrieden und somit Sicherheit entsteht. Die Initiative bewirkt aber das Gegenteil: Sie zerstört die Integrationsbemühungen. Wir verlangen, dass sich jeder integriert und unsere abendländischen Werte respektiert.
Ein Staat mit eingeschränkter Religionsfreiheit?

Ein Staat mit eingeschränkter Religionsfreiheit?

Wir empfehlen Ihnen am 29. November NEIN zu stimmen

  • Christian Levrat, Präsident der SP Schweiz
  • Fulvio Pelli, Präsident der FDP.Die Liberalen
  • Christophe Darbellay, Präsident der CVP Schweiz
  • Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen Partei der Schweiz
  • Hans Grunder, Präsident der BDP Schweiz
  • Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz
  • Heiner Studer, Präsident der EVP Schweiz
  • Monika Bloch Süss, Präsidentin der CSP Schweiz
  • Norberto Crivelli, Präsident der Partei der Arbeit der Schweiz

Quelle: spschweiz.ch

Nun sag, wie hast du’s mit dem Islam?

Das National Coalition Building Institute hat einen ziemlich umfassenden Test veröffentlicht, mit dem jedeR das persönliche Wissen zum Islam, offenbar ein wichtiges Thema derzeit. ;-)

Wissenstest Selbstest zum Thema “Islam in der Schweiz”

Übrigens: Wer mehr als 23 Punkte holt…