Archiv für das 'Journalismus'-tag

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Mit Liebe zum Kommentar

Zu einem so emotionalen Thema wie dem Angriff Israels auf die “Freedom Flotilla” darf man viele Meinungen und Reaktionen erwarten. Die kommen dann natürlich auch, wenn man ihnen irgendwie die Möglichkeit gibt – und auch sonst.

Im Chor der Journi-Kritiker darf ich auch wieder einmal über das Newsnetz lästern – schaden kann es ja nicht.

Doch nicht nur die Nachrichtennetzer, auch das Schweizer Fernsehen bietet die Kommentarfunktion unter den Beiträgen an. Das Resultat ist oft übel genug, um bei einer ganzen Reihe professioneller Gastrokritiker ernsthafte Verdauungsprobleme hervorzurufen. Aus psychohygienischen Gründen, meiner LeserInnen und mir, verzichte ich hier auf Zitate. Wer dennoch wissen will, was ich meine, kann sich gerne einen Artikel zu einem populären, aber irrelevanten (respektive 20-Minuten-relevanten) Thema anschauen.

Moderierte Kommentare auf guardian.co.uk

Moderierte Kommentare auf guardian.co.uk

Auf jeden Fall, und um das geht es hier, will ich damit zeigen, wie es hier in der Schweiz gemacht wird. Der Guardian ist seit längerem ein Pionier des Onlinejournalismus: Alle Artikel sind online, bevor sie gedruckt werden. Das tut zwar der Auflage nicht gut, verhindert aber (zumindest meistens) Kurzschlüsse bei Veröffentlichen von Artikeln. Der Guardian macht sich aber nicht nur die Mühe, ein enorm gutes Onlineportal zu bieten. Die Zeitung ist auch, für Verhältnisse innerhalb des Reduits gesehen, sehr bemüht, die Kommentare zu kontrollieren.

Zwar fallen die meisten Kommentare und Kommentatoren in die Kategorie normal, mit Tastatur und sie bieten zuweilen durchaus gute Einblicke in die Geschehnisse. Doch mit einem vermutlich gut bestückten Moderatorenteam hat man die Idioten im Griff. Referenz gibt es unter den weiter oben erwähnten Artikeln. Diese haben absolut nichts zu suchen. Und nein, das hat nichts mit Zensur zu tun, aber die Leute, die immer sagen was sie denken, dürfen gerne auch ab und zu schweigen.

Und bevor mir hier vorgeworfen wird, ich wolle die Weltherrschaft übernehmen und die Meinungsfreiheit abschaffen, nur eine letzte Bemerkung: Wer tatsächlich Beleidigungen und intelektuellen Bodensatz ernsthaft mit der Meinungsfreiheit verteidigen will, sollte doch nochmals überlegen, ob wirklich alles als Meinung zählt. Es geht nicht darum, dass man nicht denken darf, was man will, aber manchen Leuten täte ein Filtersystem im Gehirn wirklich gut.

Blogrückblick #1 – Woche 7

Wordle

Wordle

Ganz neu! oder so… Ab jetzt mache ich immer am Sonntag einen Blogrückblick auf die vergangene Woche. Dabei besonders im Fokus stehen die Blogs in meiner Linkliste (schau nach rechts!).

So sieht Titus von der Augenreiberei, dass die Schweiz, das Land der Geheimnisse ist.

André Marty blickt auf die Geneva Initiative zurück und Gonorrea stellt den oscarnominierten Film Die Bucht – The Cove über die brutale Delphinjagd vor.

Auf Nichts ist klar. werden Verteilungsfragen gestellt – rhetorisch und das Blog mit Substanz gibt uns sieben Gründe, wieso die Ausschaffungsinitiative angenommen werden wird.

Bild von DavidErickson auf flickr

Grossdemo im Iran

Die Iranerinnen und Iraner geben nicht auf! Nachdem die Wahlen vom Mitte 2009 klar gefälscht wurden, gab es bereits grosse Demonstrationen, hartes Einschreiten des Regimes, viele Festgenommene, Gefolterte, etc.

Doch nun fordern die Leute, welche sich durch das Demonstrieren in grosse Gefahr begeben, ein weiteres Mal das Regime um Ahmadinedschad heraus. Offenbar sind auch bereits Schüsse auf Demonstranten gefallen!

Wer mehr zu den aktuellen Entwicklungen in Teheran und weiteren Städten im Iran wissen will, dem sei ein Besuch auf diesen Seiten empfohlen:

Der Angriff der Symbolbilder

Tja, was wären wohl Zeitungen, TV und Newswebseiten ohne Symbolbilder. Normalerweise hat man ja genügend Material, sei es von professionellen Fotografen oder der so genannten Leserreporter.

Doch was, wenn es keine vernünftigen Bilder gibt, aber man einen Bericht in der Tagesschau bebildern muss? Dann nimmt man Symbolbilder. Ein besonders unterhaltsames Beispiel mit exzessivem Gebrauch von solchen eigentlich nichts sagenden Bildern brachte das 10 vor 10 am Montag.

In einem Bericht zum Datenklau und den Steuerbetrügern aus Deutschland, fand man offenbar nicht genügend gute Bilder, die aktuell und aussagekräftig sind. Logisch, denn das Thema ist sehr trocken und nur schwer visuell umzusetzen. Deshalb Symbolbilder. Man sieht unzählige CDs, wie sie in Computerlaufwerke geschoben werden, Zahlen rattern über den Bildschirm oder CDs baumeln über den neusten Zeitungen aus Deutschland. Herrlich!

Video auf dem SF Videoportal Illegaler Datenklau

Wer wissen will, wie ein generischer TV-Bericht aussieht:

Unser Verteidigungsreflex

Und wieder einmal: Jemand bietet ausländischen Behörden Daten von mutmasslichen Steuerzinterziehern an. Hier gehen natürlich die Wellen hoch, Bundesräte sind entsetzt und Finanzpolitiker reden von “modernem Bankraub” (Quelle: CVP-Nationalrat Pirmin Bischof auf dem Newsnetz).

Money (via _Teb @flickr)

Money (via _Teb @flickr)

Auch ein Blick auf die Seiten von DRS und der deutschen Tagesschau zeigt, wie schnell wir über solche Nachrichten in Alarmstimmung versetzt wrden, während es in Deutschland als wichtig, aber nicht als Topthema angesehen wird.

Ich finde es schon erstaunlich, dass wir zwar rhetorisch das Bankgeheimnis, die Kunden und damit auch viele Steuerhinterzieher beschützen, allerdings rascher einknicken, als die Bäume bei Lothar. Auch ist die Wut gross, doch wieso überhaupt? Ist es plötzlich legitim, wenn wir als Staat, ja gar als Nation Steuerbetrüger schützen?

Wenn man sich die enormen Summen anschaut, die über diverse zwielichtige Konstrukte offshore bei uns gelagert werden, muss man schon misstrauisch werden. Lohnt es sich, eine Branche zu unterstützen, die offensichtlich widerrechtlich handelt und uns international isoliert?

Komisch ist auch die Art und Weise, mit welcher die erstaunlich rasche Abschaffung des Bankgeheimnis’ aufgefasst wurde. In vielen Medien äusserten sich Politikerinnen und Bürger, dass mit dem Bankgeheimnis eine Schweizer Institution verschwinde. Ach ja… Und die Radikalkürzung bei der Arbeitslosenkasse ist dann ok? Stimmt, sie betrifft ja nur die Jungen, die wehren sich sowieso nicht…

Bild von _Teb auf flickr

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