Archiv für das 'kampagne'-tag

Die übelste Firma 2009

Public Eye Awards 2009

Public Eye Awards 2009

Es sind sechs üble Firmen, die alle hart für die Nominierung gearbeitet haben. Ja, wie jedes Jahr vor dem WEF in Davos suchen die Erklärung von Bern und Greenpeace für die Public Eye Awards die übelste Firma aus dem vergangenen Jahr. Verliehen wird der Preis morgen offenbar mit einiger Prominenz.

Ganz extrem sind natürlich die Beispiele der Roche, welche in dunkle Organhandel in China verwickelt ist und der PR-Agentur Farner, die bei der GSoA spioniert hat.

Jetzt gibt es also nur eines und nur noch heute Abend: Abstimmen!, es wäre ja super, noch über 20′000 Stimmen zu kommen.

Gewonnen haben übrigens Roche und die Royal Bank of Canada. An der Preisverleihung mit viel Prominenz wurden auch die Preise in der Kategorie Greenwash an das CEO Water Mandate. Schlussendlich geht der People’s Award (Resultat der Abstimmung) an Roche. – Gratulation?

Faire Renten – oder doch Rentenklau

Im März gibt es bereits schon die nächste Abstimmung. Wir dürfen uns entscheiden, ob wir faire Renten oder den Rentenklau wollen. Ironischerweise arbeiten die beiden Lager mit ihren Slogans für das jeweilige Gegenteil. ;-)

Die Gewerkschaften und die SP haben 204′952 Unterschriften gesammelt – es bräuchte aber nur 50′000. Das zeigt, wie viele Leute unzufrieden sind, dass ihnen ein grosser Teil der Renten genommen wird.

Über 200'000 Unterschriften gegen Rentenklau

Über 200'000 Unterschriften gegen Rentenklau

Die Vorlage ist wieder einmal von der komplizierteren Sorte und dürfte deshalb so einiges an Verwirrung verursachen. Wer aber einmal wissen möchte, wie viel ihn eine solche faire Rente kostet, konsultiert am besten den Rentenklau-Rechner.

Es geht also darum, dass der Umwandlungssatz gesenkt wird, nämlich von 7.2 % auf 6.8 % im 2014. Doch auch wenn es nach nur wenig ausschaut, der Verlust ist enorm: Ein 36-Jähriger, der heute CHF 6′000.- (brutto) verdient, verliert CHF 50′800.- Wow! Wenn man davon ausgeht, dass er dann noch zwanzig Jahre Pensionär ist, macht das CHF 2540.- pro Jahr oder CHF 211.70 pro Monat aus! Enorm!

Immer wieder toll auch zu sehen, wie die beiden Kampagnen unter grösster Anstrengung versuchen, das Internet zu nutzen. So kann man beispielsweise mit Christa backen.

Der Erfolg wird sicher mässig ausfallen, obwohl mit ein paar engagierten Bloggern die Sache einfacher wäre. Also, liebe economiesuisse, seid doch lieber authentisch, anstatt den Kampagnenstart vor den 29. November vorzuziehen und dafür dort kräftig auf den Deckel zu bekommen.

Bizarre Logik

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Schweizer Alpen (via Small @flickr)

Wir stehen – international, aber auch hier in der Schweiz – vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur ist die Schweizer Verfassung seit Sonntag menschenrechtswidrig (betreffend Artikel 2 und 18), sondern dank den Rechtskonservativen gibt es neben dem Röstigraben auch noch viele mehr.

Beachtlich ist, wie mit einer bizarren Logik eine absolut nutzlose und enorm schädliche Initiative angenommen wurde. Monatelang war die Diskussion wie ein Alptraum, in dem die bizarrsten Argumente herumgeboten wurden und Angst, in noch nie gekanntem Ausmass verbreitet wurde.

Diese verschwurbelte Argumentation, oder besser Propaganda, wurde auch mit so einigen falschen Aussagen geführt. So wurde ein angeblicher Professor aufgeboten, leider kommt das erst jetzt raus. Erstaunlich, nicht? Von allen Ehrlichkeit und Rechtsstaat erwarten, selber aber bescheissen, dass sich die Balken biegen.

Jetzt müssen wir aber wieder zum Alltag übergehen und lieber dort den latenten Rassismus und Xenophobie bekämpfen. Das geht aber nicht mit markigen Sprüchen, auch wenn die eine oder andere Petition oder Demo sicher am Anfang gut tut.

Qualifizierte Stimmen gibt es auch schon und die sagen Interessantes… ähhh… Bekanntes:

Ich habe kaum Sympathien für den Islam noch für andere Religionen. Diese Abstimmung war aber nicht in erster Linie über den Islam oder über religiöse Bauten. Es ging um eine Verfassungsänderung welche explizit eine spezifische religiöse Minderheit diskriminiert. Ein Staat kann aber nicht zwischen verschiedenen Glauben diskriminieren weil sie sind, was sie eben sind: Eine Frage des Glaubens und nicht Fakten. Dort liegt einen Teil des Problems. Weil man die Wahrheit eben glauben muss und ein Beweis nicht erbracht werden kann ist es sehr wahrscheinlich, dass man in der eigenen Religions-Blase gefangen ist. Was für einen aussenstehenden Beobachter nach Diskriminierung aussieht, erscheint völlig fair für die Gläubigen. Eine Mehrheit der Schweizer Stimmbürgerinnen und -bürger haben heute mit ihrem Bauch gedacht.1 Dies ist immerhin das Land, welches bis 1874 in seiner Verfassung gegen Juden und bis 1973 gegen Jesuiten diskriminierte. Quelle: Minarettverbot in der Schweiz: Demokratische Perversion von Ali Arbia

Gut beobachtet. Diese Diskriminierung ist auch deshalb ein Problem, weil sie einen enorm wichtigen Grundpfeiler der Gesellschaft ins Wanken bringt. Die Menschenrechte sind aber nicht einfach nur wichtig, weil sie toll sind. Die Menschenrechte bedeuteten Freiheiten für alle überall und können nicht teilweise zugestanden sein – alle oder keine! Deshalb ist ein Verstoss gegen Art. 2 & 18 so gravierend, weil damit auch sämtliche (noch) unbestrittenen Rechte tangiert werden.

Helfen würde ein gesetzlicher Schutz für gewaltbetroffene Migrantinnen, der bisher immer wieder im Ständerat scheitert, ein humanitäres Bleiberecht der Kantone für die Opfer von Frauenhandel. Helfen würde das AusländerInnenstimmrecht. Auch der direkten Demokratie. Quelle: Zum Schutz von Weib und Kind? der WOZ

Genau, denn es ist schon erstaunlich, wie sich gewisse Neo-Feministen noch anfangs dieses Jahrtausends dagegen gewehrt haben, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt wird. Oder dass der Frauenhandel nachhaltig bekämpft wird. oder… oder…

Arbeitsplätze fürs Leben!

Ein super Video, das kurz und knapp aufzeigt, wieso wir JA zum Kriegsmaterialexportverbot sagen sollten.

via @ugugu

Menschenleben versus Unternehmensgewinn

Die ganze Diskussion rund um die Kriegsmaterialexportverbots-Initiative bewegt sich immer um die zwei Begriffe Menschenleben und Arbeitsplätze. Dabei wird leider von der Gegnerseite oft exklusiv auf die wirtschaftlichen Aspekte geklopft und die Diskussion rund um die leidenden ZivilistInnen tunlichst vermieden. Dann gibt es auch noch solche Aussagen:

Harte Realitäten gibt es überall. Quelle: Fabian Ochsner im Doppelpunkt auf DRS1

Aber Hallo! Die harte Realität des Arbeitsplatzverlustes, ohne da auch nur im Ansatz despektierlich zu sein, gleichzusetzen mit den Toten durch Pilatus-Flugzeuge im Tschad ist schon gewaltig. Dabei sieht die Initiative (siehe unten) ja vor, dass die betroffenen Arbeitsplätze während zehn Jahren gesichert und in zivile Bereiche überführt werden. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Skandale.

1 Der Bund unterstützt während zehn Jahren nach der Annahme der eidgenössischen Volksinitiative «für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten» durch Volk und Stände Regionen und Beschäftigte, die von den Verboten nach Artikel 107a betroffen sind. Quelle: Initiativtext Kriegsmaterialexportverbotinitiative

JA zum Kriegsmaterialexportverbot

JA zum Kriegsmaterialexportverbot

Es ist also klar, dass die Arbeitsplätze behalten werden und in zivile Bereiche überführt werden. Was also soll die ganze Aufregung? Niemand wird entlassen, muss aber nicht mehr Waffen produzieren, die täglich Menschenleben kosten!

Wenn also siebzig Rechtsprofessoren Bundesrätin Leuthard kritisieren, weil der Bundesrat seine eigene Verodnung nicht befolgt, dann muss nicht die Verordnung umgeschrieben, sondern der Export verboten werden.

Schlussendlich ist es aber gar keine moralische, sondern eine ethische Frage: Wollen wir auch nur mitverantwortlich sein, wenn Menschen, wie aktuell in Afghanistan, mit Schweizer Produkten getötet oder schwer verletzt werden.

Zu guter Letzt kommt auch immer wieder die Behauptung, wir bräuchten die Rüstungsindustrie für unsere eigene Armee. Doch das stimmt überhaupt nicht, denn ohne Teile aus dem Ausland, gäbe es wohl nicht einmal die Sackmesser. Ausserdem gehören viele Waffenproduzenten sowieso schon ausländischen Firmen: Ein Beispiel ist da Mowag (gehört General Dynamics).