Kürzlich ist mir das No Impact Project ins Auge gesprungen. Entstanden ist es aus dem Versuch von Colin Beavan, ein Jahr ohne einen negativen Einfluss auf die Umwelt zu leben.
Die Ausgangsbedingungen tönen recht einfach: Ein Jahr lang keinen Abfall produzieren, nichts neues (ausser Lebensmittel) einkaufen, keinen Strom verbrauchen. In der Praxis ist das dann oft schwieriger. Sicher ein grosses Problem ist die Mobilität, denn wenn nur der Langsamverkehr bleibt, ist man (angeblich) nicht mehr so schnell unterwegs.
Zwar werden weiterhin Westumfahrung eröffnet und Strassen gebaut, aber der Langsamverkehr und der öV sind im Aufwind – und zwar ganz gross.
Die Erfolge des GA, welches offenbar gegenüber dem Ausland eher billig sei, hängen davon ab, dass viele Leute lieber Pendeln statt Zügeln. Damit wird das GA zumindest teilweise Opfer des eigenen Erfolgs. Die SBB erhöhen die Preise, um die Kosten wieder zu decken.
Die öv-Initiative vom VCS will hier abhelfen und die Finanzierung des öV stärken. Das macht Sinn, denn die Schweiz ist ja eigentlich ein Land der S-Bahnen, wie beispielsweise die kürzlichen Ausbauten in den Regionen Basel und Zürich zeigen. Immer mehr Leute pendeln und kommen somit sicher, schnell und umweltschonend zur Arbeit.
Während Kanton um Kanton ein Rauchverbot einführt (meiner Meinung sinnvoll), so scheinen die ähnlichen Massstäbe für die öffentliche Luft nicht zu gelten. Während die Belastungen durch Rauchen, Chemikalien (z.B. in Möbeln, Putzmitteln, Farben, Lacken, etc.) und Radon, um nur einige zu nennen, bekämpft werden, hat das die Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie offenbar eine bessere Legitimation.
Dazu haben ich zwei Theorien: Einerseits hat das Autofahren oder Verbrennen von Öl in Heizungen durchaus einen Nutzen. Im einen Fall kommt man von A nach B, im anderen wird einem warm. Deshalb nimmt man die nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Nachteil in Kauf. Auch betrifft der Nachteil nicht nur einem selbst, sondern wird ziemlich gut verteilt, weshalb auch der einzelne individuelle Verzicht nicht den grossen Unterschied macht.
Die zweite Hypothese bezieht sich auf die Verbreitung: Denn während nur noch ungefähr ein Fünftel der Bevölkerung rauchen, so fahren doch immerhin vier Millionen Autos in der Schweiz herum. Das macht 517 Autos pro tausend Einwohner, also hat jede zweite Einwohnerin/jeder zweite Einwohner ein Auto. – Quelle: Mobilität und Verkehr: Wichtigste Kennzahlen vom BFS
Auch enorm wichtig ist die Funktion der Bewegung. Wer mit dem Langsamverkehr sich zumindest sich in seiner Freizeit, aber auch auf dem Weg zur Arbeit bewegt, hat oft die täglich nötige halbe Stunde an Bewegung bereits gemacht.
Langsamverkehr und öV brauchen weniger Platz
Autoverkehr und speziell, wenn es schnell geht, braucht viel Platz. Wer sich das einmal vor Augen führt, merkt, wie viel Platz wir in unseren ohnehin schon ziemlich engen Städten für den motorisierten Individualverkehr brauchen.
Wir haben schon mehrmals berichtet, dass der Langsamverkehr und der öV weniger gefährlich ist, als der motorisierte Individualverkehr. Pro Jahr verunfallen nur gerade 75 Personen im Schienenverkehr. Getötet werden 24, verletzt 51 Menschen. Dies sind in der Mehrzahl Angestellte der SBB und auch leider viele Suizide. So starben 2008 keine Reisenden im Zusammenhang mit Eisenbahnen und nur gerade zehn wurden verletzt. – Quelle Eisenbahnunfälle und verunfallte Personen vom BFS
Beim Strassenverkehr sieht es leider dramatisch anders aus. Die zahlreichen neuen Technologien (ABS, EBS, etc.) haben sicher ihren Anteil an der stetigen Abnahme der verunfallten Personen, aber ein Grossteil dieser Erfolge wird wieder wettgemacht durch die Zunahme der Fahrzeuge.
Auch aus der Statistik des BFS zu den Strassenverkehrsunfällen geht hervor, dass wer zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs ist, eher schwer verletzt oder gar getötet wird. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der Velofahrer nur gerade mit einem Helm (im günstigen Fall) geschützt ist. Dagegen hat eine Autofahrerin eine perfekt ausgetüftelte Schutzhülle um sich, was besonders bei Unfällen mit tieferen Geschwindigkeiten einen grossen Vorteil darstellt – trotz der viel grösseren Energien.
Die Sicherheit ist auch deshalb grösser, weil man sich im öV gleich sicher ans Ziel bewegt, unabhängig vom Alkoholkonsum, erschöpfenden Arbeitstag, Gedanken und Wetterverhältnissen. Ich lasse mich gerne von Profis nach Hause fahren, nachdem im Ausgang gefeiert habe oder wenn ich schlicht und einfach müde bin. Da verzichte ich auch auf mein Velo, welches mich sonst nur selten alleine lässt. ;-)
Langsamverkehr und öV ist schneller und je nachdem billiger
Während das Velo in der Stadt dank seiner Flexibilität extrem schnell ist, kommt man mit dem öV über längere Strecken rasch voran. Natürlich funktioniert das mehrheitlich zwischen den grösseren Zentren, aber genau dort ist auch das grösste Verkehrsaufkommen auf der Strasse zu finden.
Ein kleines Beispiel: Von Zürich nach Bern ist man mit dem Auto in 1h 25′ und bezahlt dafür (ohne Versicherung, Wertverminderung, etc.) CHF 17.- fürs Benzin. Wer sich im Zug chauffieren lässt, hat mit der schnelleren Verbindung nur gerade 56′ und bezahlt CHF 46.- (2. Klasse, ganz, einfach). Natürlich wird es massig billiger, wenn man ein Abo hat oder die diversen anderen Kosten beim Auto miteinberechnet (Steuern, Vignette, evtl. Bussen, Wertverminderung, Service, uvm.).
Fazit
Es dürfte wohl noch einige Zeit brauchen, bis der Umstieg auf den Langsamverkehr und öV für die meisten Leute eine wirkliche Option wird. Nicht nur fehlt beispielsweise beim Velo noch etwas der Komfort (Velospuren, Schlaglöcher, etc.). Ein Velo-Paradies ist die Schweiz noch nicht.
Auch ist der Verlust an Privatsphäre ein wichtiger Punkt, warum viele trotz der vielen Nachteile lieber im Auto herumkurven. Was da genau hilft, weiss ich nicht, denn ich fahre gerne im Tram oder Zug herum…
Wir sollten uns aber bewusst sein, dass das ausgehende Öl, die zunehmenden Verkehrs-, Umwelt- und Klimaprobleme auch mit unserer Mobilität zu tun haben. Es ist deshalb an der Zeit, sich darum zu kümmern und die Verkehrsverlagerung auf Schiene, Füsse und Velos zu fördern.
Auch wenn es ja nicht stimmt, geschrieben wird fleissig. So behauptete auch die Mail on Sunday, dass die Forschungsarbeiten von Mojib Latif aus dem aktuell kalten Winter Argumente gegen den menschgemachten Klimawandel ableiten liessen.
Eher ist das Gegenteil der Fall: Zwar ist der jetzige Winter schon einer der härteren seit längerem, aber beispielsweise das Eis der Arktis nimmt nicht zu, wie es sollte. Natülich ist auch das kein Beweis, aber wie mit all diesen Dingen ein Teil im Puzzle.
Aber überhaupt: Der jetztige Winter ist ein Einzelereignis, das gut auch eine Folge des Klimawandels sein könnte, wie Temperaturanomalien zeigen. Schliesslich war 2009 ein ziemlich warmes Jahr, obwohl der Winter extrem kalt war.
[…] Almost all the places where wealthy individuals with Internet connections live (chiefly the USA and Europe) just got cold at once. No wonder The Internet has trouble accepting that The World is getting warmer – everyone in their world says it’s freezing cold. […]
Interessante Beobachtung, denn tatsächlich liegen die Industrieländer im kühleren Bereich, während es in der Baffin Bay und nahe dem Nordpol über 8°C wärmer als normal ist. Diese Daten aus dem Dezember zeigen, wie sehr sich die Wahrnehmung duch Dinge wie ein kalter Winter beeinflussen lässt – oder eben durch die Medienberichterstattung.
Übrigens finde ich es erstaunlich, wie viel der Punkte aus meinen letzten Artikeln zum Thema bereits von Marcus Brigstocke in der Now Show angesprochen wurden.
Den Begriff Biodiversität hören wir sehr oft, doch was bedeutet er eigentlich? Ganz einfach gesagt geht es um die Vielfalt. Doch was sich auf den ersten Blick simpel anhört, ist dann doch etwas komplizierter – wie so fast alles, leider. ;-)
Die Biodiversität gliedert sich in drei Teile. Sie sind alle unverzichtbar für ein funktionierendes Ökosystem. Ein solches ist wieder an jedem Ort der Welt nötig, damit wir Nahrung, Luft und Rohstoffe haben.
Aerial Atoll (via sleepychinchilla @flickr)
Vielfalt der Arten, klassische Artenvielfalt, oft auch exklusiv unter Biodiversität verstanden
genetische Vielfalt, besonders wichtig im Bezug auf Anpassungsfähigkeit der Art
Vielfalt der Ökosysteme und Ökosystemprozesse, auch Prozesse, wie Überflutungen oder Waldbrände sind teil der Biodiversität
Ohne, dass wir es merken, leistet die Natur täglich Dienstleistungen, produziert Güter und Rohstoffe, die wir alleine gar nicht oder nur mit gigantischen Kosten hätten. So leisten Bienen knapp einen Zehntel des Werts der Weltnahrungsproduktion mit der Bestäubung von Blütenpflanzen auf dem ganzen Globus. Daneben putzen diverse Pflanzen und Tiere unsere Gewässer, sorgen für Sauerstoff und entsorgen unseren Abfall.
Neben diesen Dienstleistungen gibt es auch noch die Schutzfunktion: So schützen uns diverse Tiere wiederum vor anderen Schädlingen oder Schutzwälder vor Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen.
Nicht zu vergessen ist auch der ethische Aspekt: Dürfen wir entscheiden, welche Spezies leben dürfen und welche nicht? Können wir es uns also leisten, dass Arten verschwinden, massenhaft Individuen Wilderei, Brandrodungen oder dem Klimawandel zum Opfer fallen? Es ist zwar immer schwierig, den genauen Unterschied zwischen Nutzen und Ausbeuten festzulegen, doch ich denke, dass wir mit dem Massstab der Nachhaltigkeit ein gutes Kriterium haben.
Biodiversity Hall at AMNH (via Dom Dada @flickr)
Zwar auch wichtig, aber nicht überall anwendbar ist die Erholungs-, Genuss- und Freizeitfunktion, welche viele Grünflächen in der Schweiz haben. Kaum ein Wald ohne Spaziergänger oder Bikerinnen. Auch wenn nun über die Hälfte der Menschen in Städten wohnt, so ist die Möglichkeit, ins Grüne zu gehen für viele Leute ganz wichtig, besonders in den Industrieländern. Wer fährt nicht gerne in den Alpen Ski, spaziert an einem Fluss entlang, macht Ferien am Meer oder wandert im hohen Norden.
Weltweit steht die Biodiversität hauptsächlich an zwei Orten unter extremem Druck: Einerseits in den tropisch freuchten Wäldern und andererseits in den Ozeanen, Meeren und Binnengewässern.
In den tropisch feuchten Wäldern (oder auch Regenwäldern) ist der Druck vor allem durch die Rodungen im Amazonasbecken, in Zentralafrika und in Südostasien gigantisch. Würde die Schweiz gleich schnell kleiner werden, wie alleine in Brasilien der tropische Regenwald abgeholzt wird, so wäre nach dreieinhalb Jahren nichts mehr übrig! Das Tempo ist atemberaubend und im Moment deutet leider wenig auf baldige Besserung hin. Problematisch ist auch, dass die Aufforstung ganz schwierig ist, weil die komplexen Ökosysteme sich oft nur ungenügend wiederherstellen lassen und die Böden degradiert sind.
Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir den ungeheuren Vorrat an noch unbekannten Wirkstoffen für Krankheiten, die Formenvielfalt, die zahlreichen Dienste, etc. erhalten. Wir müssen vom Wegwerfen zum Wiederverwenden kommen – eine ganz schwierige Wandlung. Denn nicht nur ist das Wegwerfen viel komfortabler und schneller erledigt, es ist auch eine in den letzten Jahrzehnten gut trainierte Gewohnheit von uns geworden. Tatsächlich können wir noch viel mehr recyclen, als wir es jetzt schon tun, auch wenn die Schweiz ganz gut dasteht.
Es ist ja üblich, dass wir von Hunger, Krankheit und Konflikten in Afrika hören. Doch wieso scheinen sich derart viele Katastrophen auf den gleichen Kontinent zu konzentrieren?
Namibia - Ausblick vom Spreetshoogtepass (via verschattet @flickr)
Dass Klimaschutz tatsächlich eine Frage der Gerechtigkeit ist, wird bei einem Blick auf die Folgen der Klimakrise rasch einleuchtend. Durch veränderte Niederschlagsmuster, höhere Temperaturen und heftigere Unwetter werden in der Landwirtschaft grosse Schäden angerichtet. Während allerdings in den Industrieländern die Landwirtschaft mit wenig Menschen, viel Technik viele Leute ernähren kann, so ist sie in Afrika meistens immer noch Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet, dass Ernteausfälle nicht einfach durch Importe aus anderen Regionen ausgeglichen werden können.
Doch auch diverse Krankheiten wüten schon länger auf dem Afrikanischen Kontinent. Darunter befinden sich die bekannteren wie AIDS und Malaria, aber auch Hakenwürmer und diverse andere Parasiten töten jährlich Millionen von Menschen. Doch nicht zuletzt auf Grund fehlender Gewinnaussichten gibt es auf diesem Gebiet nicht so grosse Investitionen wie bei Krebsmedikamenten.
Africa out of balance
Zum Schluss sind dann noch diverse Bürgerkriege, bewaffnete Konflikte und Diktaturen. So sind Gewaltausbrüche schon fast an der Tagesordnung. Dann ist es natürlich auch wenig verwunderlich, wenn angebliche Schweizer Trainingsflugzeuge gegen Flüchtlinge eingesetzt werden.
Wieso ist das so? Nun, während auf den anderen Kontinenten die meisten europäischen Kolonien schon im 19. Jahrhundert unabhängig wurden (Argentinien: 1816), so dauerte der Prozess der Emanzipierung von den imperialen Herrschern bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (Dem. Rep. Konto: 1960).
Was auch immer die Probleme sind, ihre Lösung ist überfällig. Was können wir tun? Beispielsweise endlich die Bildung auch auf einem hohen Niveau fördern, aber auch die Bildung der Leader forcieren, denn eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn alle daran partizipieren können.
Auch wenn die Situation und Zukunft für Afrika düster aussieht, so gibt es doch einige – leider wenige – Projekte und Initiativen, die Hoffnung machen. Mir scheint auf jeden Fall wichtig, dass wir die Förderung nicht von oben herab betreiben, sondern wie Neil Turok vor Ort. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern bringt auch viel mehr neue Ideen.