Archiv für das 'schweiz'-tag

AaaaaahhhhhhhhKW

Sie leben in Zone 1 (via Greenpeace auf sichererstrom.ch)

Sie leben in Zone 1 (via Greenpeace auf sichererstrom.ch)

Wie ich bereits im Artikel über den Podcast Elementarfragen angetönt habe, sind AKWs immer mit einer Gefahr verbunden. Auch wenn wir es vermutlich nicht mehr so wahrnehmen, ein Reaktorunfall würde zu unvorstellbaren Zerstörungen, lang- und kurzfristig, führen. Greenpeace hat das kürzlich mit der Kampagne Sichererstrom schon fast beängstigend aufgezeigt. Wer sich beispielsweise den Zonenpass anschaut, dem wird ja schon fast übel.

Eines ist aber eben klar: Eine Katastrophe wie in Tschernobyl wäre verheerend in Mitteleuropa – noch verheerender als sie in Tschernobyl war, denn dort ist die Bevölkerungsdichte in der Sperrzone um einiges kleiner. Während (ohne Prypjat) rund um das AKW Tschernobyl 326’000 Leute aus der Sperrzone von 4’300 Quadratkilometer evakuiert wurden, würden es bei einer gleich grossen Sperrzone in der Schweiz knapp über 800’000 sein.

AKW Gösgen im Schweizer Mittelland (via flöschen)

AKW Gösgen im Schweizer Mittelland (via flöschen)

Es muss dringend klar gemacht werde, welche Gefahr AKWs tatsächlich bedeuten. Welche Probleme bei der Entsorgung der Brennelemente entstehen. Wie viel Energie in die Aufbereitung und Produktion des Brennstoffs gesteckt wird. Welche Zerstörungen der Uran-Abbau verursachen kann.

Wichtig ist auf jeden Fall: Unbefristete Betriebsverlängerungen trotz Problemen darf es nicht mehr geben. Auch das Argument des “billigen Atomstroms” sticht schon lange nicht mehr – und hat es auch noch nie. Der Grund für den angeblich tiefen Preis sind die grossen Subventionen und vernachlässigbare Versicherungsauflagen. Der Strom wird teuerer, was zwar auch mit der Liberalisierung zu tun hat, aber trotzdem zeigt, dass eine Reform der Energieproduktion dringend nötig ist. Mehr Erneuerbare Energien bringen nicht zuletzt auch 100’000 neue Arbeitsplätze!

Bern ist klar gegen neue AKWs. Und auch der Kanton Waadt hatte kürzlich eine konsultative Volksabstimmung zum Thema – mit gleichem Resultat.

Foto von flöschen auf Flickr

Velolift in Trondheim, bald auch in Genf?

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf AUTOLOS.com.

Velolift Trampe in Trondheim (via Camilla Hoel)

Velolift Trampe in Trondheim (via Camilla Hoel)

Gestern stand in der Sonntagszeitung, dass der Stadtpräsident von Genf sich überlegt Velolifte an steilen Strassen einzurichten. Laut einer Studie der Uni Genf eignen sich 26 Standorte für einen solchen Lift.

Im norwegischen Trondheim läuft bereits seit 16 Jahren ein solcher Lift und führt dazu, dass 90 % der 30’000 Studenten dort das Velo wirklich überall nutzen können. In den 16 Jahren hat der Lift über 220’000 Velofahrerinnen und Velofahrer den Hügel hochgebracht. Vereinfacht gesagt besteht der Lift aus einem Pedal, auf dem man mit einem Bein steht, während man darauf hochgeschoben wird. Mehr Infos gibt es auf der Webseite vom Trondheimer Velolift (nur auf Englisch).

Wäre das auch etwas für Schweizer Städte? Gerade in hügeligen Städten wie Zürich oder auch Lausanne wäre ein Velolift sicher ein Anreiz, mehr das Velo zu nutzen. Damit würden sicherlich mehr Velofahrerinnen und Velofahrer neu aufs Velo umsteigen, beispielsweise zum Pendeln. Aber auch Leute, die bisher schon im Sattel unterwegs sind, würden vereinfacht den Berg hochkommen. Wer übrigens die ganz krassen Steigungen als sportliche Herausforderung sieht, kann ja auch weiterhin da raufkraxeln – kein Problem. ;-)

Foto von Camilla Hoel auf Flickr

Mission aborted

Claude Nicollier, unter anderem Mitverantwortlich für Ogis “Freude herrscht!“, war der erste und bisher letzte Schweizer im Weltraum. Im März 2007 schied er dann aus den NASA-Missionen aus, seine letzte. Mission war 1999. Immerhin war er 42,5 Tage im Weltraum, davon sogar etwas über acht Stunden auf einem Ausseneinsatz. Tolle Geschichte, ein prominenter und bekannter Schweizer, ein Held.

STS-128 Space Shuttle Discovery on Pad 39a (via nasa hq photo)

STS-128 Space Shuttle Discovery on Pad 39a (via nasa hq photo)

Nun hatten aber diverse Nachrichtenquellen plötzlich von einer neuen Hoffnung gehört – Barbara Burtscher. Sie ist erst 25 Jahre alt und bereits ein Medienstar. Auch wenn der Blog Infamy die Lunte bereits diesen Januar roch, die Geschichte erhielt keine grössere Beachtung – vermutlich auch, weil rasch die juristische Keule gezückt und die ersten zwei Artikel gelöscht wurden. Es dauerte dann noch über ein halbes Jahr, bis jemand auf der Redaktion des Tagesanzeigers ein Telefon in die Hand nahm, die 0 drückte und ein paar Fragen an die NASA richtete. Und wie heute das Newsnetz zu berichten weiss, war an Burtschers Geschichte nicht alles sauber:

Danach gab es für die Schweizer Journalisten kein Halten mehr. Und schon gar kein Innehalten. Man buchte «Unsere Frau bei der Nasa», wie der «Blick» sie nannte, gerne. Und Burtscher sagte gerne zu. Sie war auf der Titelseite der «Coop-Zeitung», als Promi-Jasserin im «Samschtig-Jass», als angehende Astronautin bei Kurt Aeschbacher im Schweizer Fernsehen, bei Hannes Hug als Astrophysikerin im «Focus»-Interview auf DRS 3 und als «Ausserirdische» auch im «Tages-Anzeiger». Allein in den Printmedien erschien Burtschers Geschichte über 60-mal. Die eingebildete Astronautin auf tagesanzeiger.ch

Durch all den Medienrummel, und weil niemand mehr Fragen stellte, dafür schön abgeschrieben wurde, kam Burtscher auch zu zahlreichen Sponsoring-Verträgen. Ich möchte betonen, und das nicht aus Angst vor Rechtsdiensten, schliesslich sind das hier nun einigermassen gut fundierte Aussagen, dass ich Burtschers Aussagen zwar unklar und sicher nicht seriös finde. Die Verantwortung für diese jetzt ein halbes Jahr laufende Geschichte liegt aber ganz klar bei den Medien. Wenn niemand Fakten prüft, sondern nur möglichst schnell online schaltet, kann das ja nicht gut gehen. Klar, die Story war toll und niemand wollte so richtig daran zweifeln, aber wenn bereits Ende Januar erste Ungereimtheiten auftauchen, sollte ein Telefon nach Washington, D.C. doch sicher drinliegen.

Was besonders beunruhigend ist für alle kommerziellen Nachrichtenproduzenten: Der Blog Infamy wusste wie gesagt schon Ende Januar 2010 darüber zu berichten. Wenn es so lange dauert, um eine Geschichte zu prüfen, hat vermutlich die Telefonanlage nicht funktioniert. Ein wenig Recherche kann nie schaden – und von Nachrichten durchaus erwartet werden.

Wir sollten dringend wieder mehr Wert auf guten Journalismus legen, bei dem ein Artikel auch einmal zwei Tage geprüft werden kann, damit dann auch alles stimmt. Das hier mag eine relativ harmlose Sache gewesen sein, selbst wenn einige der in diversen Artikeln geschriebenen Dinge so nicht komplett stimmen mögen. Sollte dasselbe mit grösseren Geschichten passieren, frage ich mich wirklich, wie sehr wir uns auf gewisse Medien noch verlassen können.

Und noch etwas, liebes Newsnetz: Nur weil ihr nun als erstes Medium (nach einem halben Jahr!) über diese Geschichte berichtet habt, ist das SF noch lange nicht schlecht. Aber vermutlich habt ihr einen ähnlichen Drang SF und DRS zu kritisieren, wie ich eure so genannten Nachrichten.;-)

Noch etwas letztes: Irgendwelche dubiosen Hacker tummeln sich offenbar im Netz.

Foto von nasa hq photo auf Flickr

umweltrating.ch – Politik für die Umwelt

Windturbinen in Falkenberg (via Jan Charles Linus Ekenstam)

Windturbinen in Falkenberg (via Jan Charles Linus Ekenstam)

Die Schweiz ist oft in Sachen Umweltschutz und Klimaschutz zwar fortschrittlich, will aber immer nur machen, was andere bereits tun. In Sektoren wie der Windenergie haben wir es verpasst, das unglaubliche Innovationspotential zu nutzen – nun bauen halt die Dänen und Deutschen massenweise Windturbinen.

Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt das Parlament, welches – wie fast überall in den Industrieländern – durch eine mächtige Öllobby beeinflusst wurde. Doch wie verhalten sich eigentlich einzelne Politikerinnen und Politiker? Wie stimmen sie ab und wie stark setzen sie sich für Erneuerbare Energien ein?

Nun haben sechs Umweltorganisationen (Pro Natura, VCS, Schweizerische Energiestiftung, Greenpeace, BirdLife) eine Liste von Abstimmungen im Nationalrat zusammengestellt, die in die Wertung kamen. Nun ist das Abstimmungsverhalten seit einigen Jahren öffentlich einsehbar. Dies wurde nun angeschaut und für das Umweltrating 09 bewertet. Da sich die Ständerätinnen und Ständeräte seit langem gegen eine elektronische Abstimmungsanlage und damit gegen eine Dokumentation ihrer Abstimmungen wehren, wurden dort einfach ein paar Fragen gestellt, welche dann einige gar nicht beantworteten. Das genaue Vorgehen ist allerdings noch etwas komplizierter.

Nun, was sind die Resultate?

Eigentlich ist genau das herausgekommen, was man erwarten würde. Während sich linke Politikerinnen und Politiker (SP, Grüne, etc.) fast ausschliesslich im vordersten Teil der Rangliste aufhalten, sind die bürgerlichen eher gegen Ende anzutreffen. Auf den ersten dreissig Rängen gibt es fast nur Leute aus der SP und den Grünen. Der beste Vertreter der SVP rangiert auf 65 mit nur gerade 21% seiner abgegebenen Stimmen für die Umwelt! Die schlechtesten haben sogar immer gegen Umweltinteressen gestimmt.

Interessant sind auch die Filtermöglichkeiten nach Partei und Kanton. Wer, dem ich meine Stimme gegeben habe, hat sich wirklich für die Umwelt eingesetzt?

Foto von Jan Charles Linus Ekenstam auf Flickr

Hope and Global Change

Offenbar hat der Wechsel im Weissen Haus Effekte, die wir nicht wirklich abschätzen können. Auch wenn das Klimaschutzgesetz abgeschossen wurde sind doch einige Lichtblicke erkennbar. Zum Beispiel, dass überhaupt ein solches Gesetz im Kongress diskutiert wird, anstatt dass unbeliebte Erkenntnisse der Behörden korrigiert werden.

Mountain Tundra in Colorado (via sunface13)

Mountain Tundra in Colorado (via sunface13)

Zu vielem anderen, dass die Obama-Administration am ändern ist, gibt David Axelrod in The Daily Show Auskunft.

Auch wenn es den USA noch Leid tun wird, dass sie dieses Gesetz nun nicht haben, so möchte ich kurz auf einen anderen Punkt aufmerksam machen.

Oft wird in Medien und im Internet vom Klimawandel (Climate Change) gesprochen. Und auch wenn es das grosse Problem ist, so sind die Zusammenhänge wesentlich vielfältiger. Nicht nur steht der Klimawandel nicht alleine da, sondern ist vielmehr ein einzelnes Element einer ganzen Problempalette. Auch die Faktoren und Konsequenzen sind derart komplex, dass es alleine mit Klimawandel oder Umweltverschmutzung erledigt wäre.

Deshalb gibt es seit einigen Jahren (erstmals erwähnt 1980, aber erst in den letzten Jahren wirklich populär) der Begriff Global Change. Es geht denn hier auch weniger um kleine und lokale Phänomene, sondern um globale.

 L'Aiguille du Midi et le Glacier des Bossons (via b00nj)

L'Aiguille du Midi et le Glacier des Bossons (via b00nj)

Die USA haben seit gut zwanzig Jahren ein Forschungsprojekt zu diesem Thema laufen: das U.S. Global Change Research Program, kurz USGCRP. Wirklich interessante Ergebnisse werden da online veröffentlicht. Beispielsweise die Erkenntnis, dass die Gesundheit im Mittleren Westen durch zunehmende Hitzewellen beeiträchtigt ist.

Wenig verwunderlich ist es dann auch, dass diverse Behörden und Ministerien dabei beteiligt sind. Vom Verteidigungsministerium, über die NASA und dem Department of Transportation bis hin zum Aussenministerium sind viele Behörden dabei, dazu einige Wissenschaftsinstitutionen und natürlich auch die Umweltschutzbehörde. Auf jeden Fall zeigt die Einbindung verschiedener Partner, dass die Sache wichtig ist und hoffentlich ernst genommen wird.

Wie sieht es bei uns, in der Schweiz aus? Nun ja, das Bundesamt für Umwelt kümmert sich recht ausführlich um verschiedenste Aspekte, aber eine derart komplette Integration verschiedenster Departemente wie es die US-Amerikaner machen, sehe ich nicht. Hoffentlich wird auch die Arbeit des BAFU nicht behindert, wenn ein neuer, vielleicht bürgerlicher, Bundesrat nach Moritz Leuenbergers Rücktritt das Amt übernimmt. Die grösste Bremse ist aktuell aber im Parlament. Zwar gibt es scheinbar Mehrheiten für Klimaschutzziele, aber konkrete Massnahmen werden fast keine ergriffen.

Fotos von sunface13 und b00nj auf Flickr