Archiv für das 'usa'-tag

No Impact Project

Kürzlich ist mir das No Impact Project ins Auge gesprungen. Entstanden ist es aus dem Versuch von Colin Beavan, ein Jahr ohne einen negativen Einfluss auf die Umwelt zu leben.

Die Ausgangsbedingungen tönen recht einfach: Ein Jahr lang keinen Abfall produzieren, nichts neues (ausser Lebensmittel) einkaufen, keinen Strom verbrauchen. In der Praxis ist das dann oft schwieriger. Sicher ein grosses Problem ist die Mobilität, denn wenn nur der Langsamverkehr bleibt, ist man (angeblich) nicht mehr so schnell unterwegs.

Zwei Uiguren aufgenommen!

YES haben manche gesagt, als gestern Abend die Nachricht kam, dass zum Usbeken, der in Genf aufgenommen wurde, sich nun zwei Uiguren im Kanton Jura gesellen.

Die Schweiz scheint wieder die havarierte humanitäre Tradition wiederbeleben zu wollen. Das lässt hoffen.

Warum der Jura die zwei Uiguren aufnehmen will, darüber wird noch gemutmasst. Die offizielle, und meiner Meinung nach auch ehrliche, Begründung ist, dass man sich aus humanitären Gründen dafür einsetzt. Die beiden Brüder wurden jahrelang in Guantanamo festgehalten, vermutlich auch gefoltert – alles ohne Prozess, Anklage, Rechtsmittel. Sie jetzt freizulassen und wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ist mehr als überfällig.

Mich freut auch, dass man nicht eingeknickt ist vor den chinesischen Drohungen und Warnungen, die beiden Uiguren seien gefährlich. Barack Obama hat am 22. Januar 2009, also bereits an seinem dritten Tag im Amt, angekündigt, Guantanamo zu schliessen.

Die Leute sind auch gar nicht alle gefährlich. Viele, ich meine sogar die meisten, wurden komplett unschuldig und zufällig gefangen genommen, dann brachte man sie nach Guantanamo auf Kuba. Für die Schweiz besteht kein Risiko, wenn wir diese Leute nun aufnehmen, was man auch immer erzählt.

Obamabashing

Heute ist Barack Obama bereits seit einem Jahr im Amt, Zeit für einen Rückblick. Hier in Europa, ohne Zweifel auch auf der anderen Seite des Teichs, wird er als Präsident “ohne Eigenschaften”, Ecken und Kanten bezeichnet. Gewisse Leute unterstellen ihm, das Land Richtung Sozialismus zu führen – wobei ich das Drama dabei gar nicht erkennen kann.

Barack Obama hat zwei jahrelange und teilweise katastrophal schlecht geführte Kriege übenommen, ein zwar sehr gutes, aber für 50 Millionen AmerikanerInnen nicht zugängliches Gesundheitssystem angepackt, die diplomatischen Beziehungen aufgefrischt und nicht zuletzt dafür den Friedens-Nobelpreis bekommen.

Wenn nun einige merken, dass auch er nur mit Wasser kocht, ist das schon erstaunlich. Es war sicherlich einfach, sich von Obamas grosen Reden und Versprechen etwas blenden zu lassen, aber tatsächlich versucht er auch, diese Dinge umzusetzen. Klar ist, dass keine Wunder zu erwarten sind, aber doch eine spürbare Veränderung und der Wille, die Verantwortung der USA wahrzunehmen. Ein Vorbild für so manche hier ist Barack Obama schon jetzt.

Führen wir uns doch einmal vor Augen, was Obama alles versucht, gar nicht getan und erreicht hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er keinen komplett unnötigen Krieg losgetreten, keine Bürgerrechte am Laufmeter verletzt, keine Folter angeordnet zugelassen, keine Staatsanwälte aus politischen Gründen gefeuert, keine Lügen zu Massenvernichtungswaffen und der inexistenten Verbindung Saddam Hussein/Al Quaida erzählt.

Ich vermute, dass vieles, was die Bush-Administration gemacht hat, gar nie auf dieser Seite des Teiches angekommen ist. Was wissen wir schon von Cheneys verlorenen E-Mails (über eine Million verschwand, obwohl sie archiviert werden müssten), den CIA-Foltergefängnissen in Osteuropa und der absolut missratenen Antwort auf die Katrina-Katastrophe. Obwohl das Erdbeben in Haiti nicht auf US-Boden stattfand, meine ich, viel mehr Plan und Überlegung in der Antwort der Obama-Administration zu sehen (die mutmasslichen Hintergedanken einmal ausgeblendet).

Klar, Barack Obama hat sicher nicht alles erreicht, was er will: Guantanamo ist immer noch in Betrieb, auch weil sich andere nach Kräften dagegen wehren, von dort Häftlinge aufzunehmen.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war auch nicht der erhoffte Erfolg, vor allem weil der US-Kongress nicht mitmacht.

Der Climategate und die Rolle der Medien

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieso derart viele Menschen die Erwärmung der Erdatmosphäre abstreiten oder im besten Fall bezweifeln, dann muss man auch dringend die Medien und deren Berichterstattung analysieren. Nicht zuletzt aus deren immer noch zwanghafter Pro & Contra-Berichterstattung schliessen viele Leute, dass Debatte rund um den Klimawandel noch nicht ganz klar sei.

Verschiedenste Medien berichten ja auch sonst nicht immer gerade präzise, wie der BILDblog immer wieder aufs Neue zeigt. Dies ist auch teilweise eine Folge der Newsnetzisierung. Wenn es darum geht, möglichst gute Klickzahlen zu erreichen, ist versucht, sicher das eine oder andere Mal etwas reisserisch zu texten. Um mein Argument zu prüfen, reicht ein Blick auf die Liste der meistgelesenen Artikel und speziell deren Titel.

Natürlich, der Fehler liegt nicht derart krass bei den Medien, auch wenn man zumindest in den USA sagen kann, dass sie dem Thema zu wenig Beachtung schenken. Ein wichtiger Faktor für die Leugnung des Klimawandels ist auch, dass wir uns irgendwie im Stadium des Nichtwahrhabenwollen befinden. Offenbar löst die Aussicht auf all die negativen Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung eine Mischung aus Fatalismus (“Wir können ja gar nicht mehr dagegen tun.”) und Leugnung (“Das Klima wird nicht wärmer.” bzw. “Der Mensch ist nicht daran Schuld.”). Oft vermischen sich auch die beiden.

Artikel auf taz.de Climategate und die Achse des Blöden

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Svalbard landscape (via Billyboy @flickr)

Die Meinungsmache und schlechte Arbeit ist aber keineswegs neu. Bereits 2002 hat sich einer der zwar wenigen aber penetrantesten Klimawandel-Leugner, Dirk Maxeiner, in der für ihre Objektivität und journalistischen Qualitäten bekannten Weltwoche einen Artikel geschrieben: Die geistige Warmluftfront. Schon damals war es aber möglich, diese absurden Schlussfolgerungen auseinanderzunehmen, was ProClim gemacht hat.

Wer aber die durch Hacking gestohlenen Mails (ja, das Briefgeheimnis zählt auch bei elektronischer Post) genau liest, findet rasch heraus, dass der Inhalt weit weniger brisant ist, als es mancher Klimawandel-Leugner gerne hätte. Man lästert über “schlechte Arbeiten”, die man am liebsten nicht im IPCC-Report hätte, dann aber doch dort veröffentlicht. Es werden die Klimawandel-Leugner als “Idioten” bezeichnet und andere private Dinge ausgetauscht, darunter auch den “Trick”, mit dem die riesigen Datenmengen richtig verarbeitet und ausgewertet werden. Alles ganz normale Dinge, die man halt im Vertrauen in das Briefgeheimnis und den Institutsinformatiker macht.

Zum Schluss aber nochmals die taz, welche den – ihrer Meinung nach richtigen – Umgang mit dem Verwirrspiel darlegt. Irgenwie erinnert das ganze sowieso an die ähnliche Kampagne der Tabakkonzerne, die Rauchen weiterhin als nicht schädlich verkauften, als bereits lange klar war, dass Rauchen stark verantwortlich für Lungenkrebs ist.

[…] der menschgemachte Klimawandel ist längst keine Meinung mehr, er ist wissenschaftlich nach derzeitigem Kenntnisstand gesicherte Tatsache, und mit den „Skeptikern“ in der Klimaforschung ist es so, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, wie mit den Kreationisten und der Evolutionstheorie. Es wäre daher gut, die Medien würden sie auch ebenso behandeln. So lange dies nicht so ist, können Scharlatane wie Miersch und Maxeiner gut davon leben und ihre kruden Theorien in Artikel-, Interview- und vor allem Buchform prima absetzen. Quelle: Climategate und die Achse des Blöden, auf taz.de

Bild von Billyboy auf flickr

Die Glaubensfrage – oder warum es eben keine ist

Eine Umfrage aus Grossbritannien zeigt wenig erstaunliches: Während nur gerade 1 % der Wissenschaftsgemeinschaft nicht an den Klimawandel glaubt, leugnen 60 % der Gesamtbevölkerung diese wissenschaftliche Theorie. Erstaunlich viele Bloggerinnen, Leserbriefschreiber und Newsnetz-Kommentarposter sind in diesen 60 % enthalten. Natürlich sieht man oft nur die, welche am lautesten schreien. Die öffentliche Meinung ist aber oft die, dass man ja nicht sicher wissen könne, wie es um den Klimawandel wirklich steht. Glücklicherweise hat sich der Trend in den USA dahin gewendet, dass die Fähigkeit und Pläne von Obama zum Lösen der Klimakrise angezweifelt werden. Genau dort gehört auch die Energie hin!

Approaching Blue Glacier (via Stuck in Customs @flickr)

Approaching Blue Glacier (via Stuck in Customs @flickr)

Doch ist es überhaupt eine Glaubensfrage? Ist es nicht vielmehr eine Leugnung von unangenehmen Tatsachen, was Al Gore bereits in seinem Film An Inconvenient Truth ansprach.

Oft geht man durch bestimmte Reihe von Stufen (erinnert irgendwie an das Kübler-Ross-Modell), wenn man mit einem Klimawandel-Leugner spricht. Nicht zwingend treten sie in der Reihenfolge auf, in der ich sie beschreibe, aber doch ganz häufig:

Zuerst kommt das Argument: “Das Klima erwärmt sich gar nicht!” – Tja, schön wäre es, aber Satellitendaten und mehr als hundert Jahre Temperaturmessungen können wohl nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt falsch liegen. Oft hört man dann auch, dass es gegenteilige Beweise gebe – Crap!

Darauf folgt die Behauptung, dass der Klimawandel natürlich sei (wie so gut alles, gell Herr Schneider?!), folgt dann oft auf dem Fuss. Doch auch wenn es hier schwierig wird, als Laie diese hochkomplexen Themen zu erläutern, gibt es doch eine gute Antwort: Die Erwärmung ist vielleicht nicht unüblich in ihrer Amplitude, aber doch in der Geschwindigkeit. So schnell hat der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die Temperatur noch nie zugenommen.

Schlussendlich sind wir bei der Kategorie FUD, was so viel wie Fear, Uncertainty, Doubt bedeutet, oder wie ich es lieber nenne: Fundamental Understanding Deficiency (grundlegendes Verständnisdefizit). So wird die Wahrscheinlichkeit in der Wissenschaft (bewusst) falsch ausgelegt oder schlicht etwas erfunden.

Als ultimativer Totschlaghammer wird in so manchen Kommentaren im Newsnetz und auf den Seiten von SF vorgebracht, dass es in Kopenhagen um die Etablierung einer (sozialistischen) Weltregierung ging und immer noch geht. Wenn die Diskussion zu diesem Punkt gekommen ist, höre ich normalerweise auf, wenn wer solches Zeug erfindet, wird alles was gesagt oder nicht gesagt wird als Beweis für seine abstrusen Ideen sehen.

über den Wolken (via petter palander @flickr)

über den Wolken (via petter palander @flickr)

Die ganze Debatte rund um die falsche Diskussion über Einschränkung oder Freiheit hat Titus sehr schön abgehandelt.

Vielfach spürt man hinter der Leugnung des Klimawandels eine Angst vor Einschränkungen (siehe oben) oder vor dem Eingeständnis, dass man selbst nicht alles richtig macht. Lange Jahre war es gut, zu arbeiten, zu sparen und sich dann ein Auto zu kaufen oder nach Übersee zu fliegen. Soll das jetzt alles nicht mehr gelten? Diese Doppelbödigkeit drückt sich auch dann aus, wenn gesagt wird, dass es den Klimaschützern nur ums Geld gehe. Offenbar reicht der Blick dann nicht so weit, als dass die Milliardengewinne der Ölkonzerne als Geld zählen. Auch sehr widersprüchlich ist diese Haltung, wenn man beachtet, dass sich die Diskussionen (so auch in Kopenhagen) immer um die Finanzierung drehen und gesagt wird, man habe das Geld nicht.

Um es nochmals klar und deutlich zu sagen: Hier geht es um die Realität und auch wenn alle Menschen ihre eigene Wahrheit haben dürfen, so gibt es davon unabhängig eine einzige Realität. Die Beschreibung dieser ist wiederum Sache der Wissenschaft, womit wir wieder beim Thema sind.

Die Behauptung, dass jedeR glauben könne, was sie/er will, ist sicherlich richtig im Bezug auf Religion, aber bei faktisch klaren Dingen wie dem Klimawandel, ist eben nicht jede Meinung gleich gültig. Wie ich schon erklärt habe, ist es zwar wichtig, andere Meinungen anzuhören, aber wenn es eben nicht mehr um Wissenschaft, sondern Leugnung des Offensichtlichen geht, müssen auch die Medien ihre Ausgeglichenheit überdenken.

Mir geht es sicher nicht darum, Panik zu verbreiten, aber den Tatsachen müssen wir doch ins Auge blicken! Wir können ja auch nicht, nur weil es uns nicht behagt, unsere Sterblichkeit verleugnen (frei nach George Monbiot). Die Fakten sind also klar. Wenn hier wieder das übliche Argument der angeblichen Panikmache kommt: Es gibt sie nicht! Das Problem ist real und seit langem bekannt. Erst seit wenigen Jahren allerdings schenkt die Wissenschaft und Politik ihm die nötige Aufmerksamkeit. Da nun die Zeit für Massnahmen knapp wird, drängen logischerweise viele Organisationen auf rasche Emissionsreduktionen. Das als Panikmache zu verteufeln, ist ganz unsportlich, denn nicht nur hat es rein gar nichts mit der Realität zu tun, es ist auch heuchlerisch, weil damit oft die eigenen Verhaltensänderungen abgelehnt werden.

Grey Gletscher in Chile (via Christian Watzke @flickr)

Grey Gletscher in Chile (via Christian Watzke @flickr)

Wenn nun also die Inselstaaten verzweifeln oder grosse Versprechen machen, dann nicht nur, um einfach mehr Gelder abzukassieren. Es geht eben auch darum, ob und wie sie weiterhin überleben wollen. Denn die bedrohten Inselparadiese haben auch ein riesiges Problem: Sie können nicht einfach ein wenig Küstenlinie räumen, sondern gehen gleich komplett unter und müssen sich möglicherweise ein neues Gebiet für ihren Staat suchen oder sich gleich auflösen.

Die Lösung? Du!

Bild von Stuck in Customs, petter palander und Christian Watzke auf flickr