Wie ein Kommentator kürzlich hier schrieb, gebe es keine Leute, die den Klimawandel abstreiten. Sie würden lediglich den menschlichen Einfluss bestreiten. Um das einmal zu widerlegen und auch gleich die Lügen anzuschauen, hier zwei Videos.
Die Yes Men sind ein Aktivisten-Duo, besonders in den USA für einiges Aufsehen gesorgt hat. Sie lenken die Aufmerksamkeit der Medien mit spektakulären Aktionen auf die dreckigen Geschäfte von Grosskonzernen.
So kündigten sie am zwanzigsten Jahrestag der Chemiekatastrophe in Bophal (Indien) als Sprecher der verantwortlichen Firma Dow Chemicals an, Dow anerkenne die Verantwortung und werde mit 12 Milliarden Dollar die Betroffenen der grössten Chemiekatastrophe entschädigen sowie aufräumen. Dow musste wenige Stunden danach eine Mitteilung rauslassen, dass sie die Verantwortung nicht übernehmen.
Der Grund, wieso der Film frei im vertrieben wird, ist die Angst vor Zensur. So will die US Chamber of Commerce verhindern, dass ein kleines Segment am Anfang nicht weiter gezeigt werden kann – deshalb verbreite den Film weiter. (via netzpolitik.org)
Ähnliches haben die beiden, Andi und Mike, auch bei anderen Gelegenheiten getan. In New Orleans, an Konferenzen zum Wiederaufbau nach Katrina zum Beispiel.
Die Yes Men zeigen in diesem Film eines ganz eindrücklich: Zwar regiert Gier und der unerschütterliche Glaube an den freien Markt die Welt, doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont. In der letzten Aktion im Film sieht man, wie sie eine eigene Ausgabe der New York Times herstellen, die sechs Monate vordatiert ist und die Nachrichten enthält, die alle gerne lesen würden.
Der Oh Dear-ism ist bei uns angekommen. Vielleicht war er auch schon lange und schlich, getarnt als Gleichgültigkeit, durch die dunkelsten Ecken dieses Landes.
Auf jeden Fall ist mir gestern etwas aufgefallen. Gestern las ich auf 20min.ch einen Artikel über eine Aktion der JUSO. Sie verteilt vor dem heutigen Spiel Schweiz-Honduras Paninibildli mit getöteten Regimegegnern drauf, die während und nach dem Staatsstreich 2009 ums Leben kamen. Ich möchte mich zwar hier nicht die Aktion (man darf davon halten, was man will), den Staatsstreich oder irgendetwas in der Richtung besprechen, sondern die wie immer sehr aufschlussreichen Kommentare. Hier ein repräsentativer:
die bilder haben etwas den selben effekt wie die bilder auf dem zigarettenpäckli…kurz hinschauen und schockiert sein und dann sofort die nächste anzünden…haben sie wirklich die hoffnung das sich irgendetwas ändert? naja träumen soll erlaubt sein! — mike
Tegucigalpa, Honduras (von Fellowship of the Rich)
Dieser Kommentar passt, von mir aus gesehen und mit vielen weiteren Kommentaren, in die Kategorie des Oh Dear-ism, wie Adam Curtis es im Video am Anfang beschreibt. Zu viele extrem tragische und herzzerreissende Meldungen hören wir jeden Tag, dass wir unterdessen gar nicht mehr an eine Veränderung glauben – und uns deshalb auch nicht mehr dafür einsetzen.
Was das bedeutet und wohin das führt, kann ich nicht abschliessend beurteilen. Für mich ist eine solche Haltung, wie sie mike oben ausdrückt aber sehr schade. Wer nicht mehr an Veränderung glaubt, eine bessere Welt will, daraufhin arbeitet und Ideen für morgen hat, hindert einen wohl urmenschlichen Trieb an seiner Entfaltung: den Fortschritt. Es geht aber nun nicht darum, wieder in alte Haltungen und Zeiten zurückzufallen. Wie das Video oben zeigt, waren einige der Hilfen auch kontraproduktiv.
Selbstverständlich muss man nicht ein 24-Stunden-News-Junkie sein, aber ein wenig Interesse, Hoffnung auf Besserung und ein kleiner Einsatz (auch wenn er nur geistig ist), können schon so manches bewegen. Viele Probleme sind schon halb gelöst, wenn sie erkannt sind…
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